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Der Renner
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Der Renner ist das einzige erhaltene deutschsprachige Werk Hugos von Trimberg. Das didaktische Werk setzt bei den TodsĂźnden an, die durch Exempel, Erzählungen, Allegorien und Fabeln illustriert werden. Zitate und Berufungen auf Autoritäten dienen der Absicherung und GlaubwĂźrdigkeit seiner Aussagen. Die âBirnbaumallegorieâ des Prologs strukturiert das Werk. Der âRennerâ umfasst 26.611 Verse. Hugo vollendete den âRennerâ 1300, bearbeitete ihn aber bis zum Jahre 1313. Die zahlreichen Handschriften, die aus dem späten Mittelalter erhalten sind, deuten darauf hin, dass Hugos Alterswerk im 14. und 15. Jahrhundert sehr populär war.
Contents
⢠Reimschema
⢠Gliederung
⢠Erzähler
⢠Inhalt
⢠Der Titel
⢠Ursprung
⢠Aufbau
⢠Funktion
⢠Quellen
⢠Die Bibel
⢠Fabeln
⢠Ăberlieferung
⢠Literatur
⢠Textausgaben
⢠Einzelnachweise
⢠Weblinks
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Aufbau des Werkes
Reimschema
Der âRennerâ umfasst 26.611 Versecite-ref-1[1] und ist bis auf den Schweifreim-Prolog in vierhebigen Reimpaarversen verfasst, z. B.: In Swâben, in DĂźringen, in Beiern, in Franken/ In Schwaben, in ThĂźringen, in Bayern, in Franken/
Dâ sßln tiutsche liute danken / Dort sollen deutsche Leute danken/
MĂŽner sĂŞle mit irm gebete, / Meiner Seele mit ihrem Gebet/
Mit almuosen, mit andere guotĂŞte, / Mit Almosen, mit anderem guten Werk/
Daz ich vil fremder lêre in hân/ Dass ich ihnen viele unbekannte Lehre/
In tiutscher zungen kunt getân [âŚ] In deutscher Sprache dargelegt habe [âŚ]
Es kommt jedoch vor, dass die Statik der Paarreime durch die Verwendung von Vielreimen gelockert wird. Dies ist beispielsweise in den Anapherreihen der Fall, die in regelmäĂigen Abständen immer wieder im Text des âRennerâ auftauchen.cite-ref-2[2]
Gliederung
Der âRennerâ beginnt mit einem zweiteiligen Prolog. In seinem Zentrum steht die so genannte Birnbaumallegorie. Die Struktur ihres Inhaltes entspricht dem Aufbau sowie der thematischen Gewichtung des gesamten Textes. Er besteht aus zwei Hauptteilen: aus einer Morallehre (V. 269 â 18000), in der die sieben TodsĂźnden hĂ´chfart, gĂŽtikeit, frâz, unkiusche, nĂŽt, zĂ´rn und lâzheit sowie die Personengruppen, die ihnen verfallen, in sechs so genannten Distinktionen abgehandelt werden und aus einer Heilslehre (V. 18001 â 24483), die das Thema Reue behandelt. Ein Epilog, der sich wie der Prolog aus zwei Teilen zusammensetzt, beschlieĂt den âRennerâ. Neben der Gliederung der sieben HauptsĂźnden in Distinktionen hat Hugo sich innerhalb dieser auch einer Ordnung in Kapitel bzw. Themenabschnitte bedient, in deren Mittelpunkt z. B. Personengruppen stehen, die fĂźr die jeweilige SĂźnde besonders anfällig sind, oder Verhaltensweisen, die fĂźr das Laster typisch sind. Diese beiden Gliederungsprinzipien sind einander nebengeordnet und Ăźberschneiden sich. Hinzu kommen drei grĂśĂere Exkurse, die sich der zweiten, vierten und fĂźnften Distinktion anschlieĂen.cite-ref-3[3]
Erzähler
Hugo bleibt als Autor während des ganzen Werkes präsent. Da es sich beim âRennerâ nicht um ein episches, sondern didaktisch und theologisch geprägtes Werk handelt, fungiert Hugo selbst als Erzähler seines Stoffes. Er teilt dem Publikum seine eigenen Ansichten mit, statt eine Erzählerstimme fĂźr sich zu vereinnahmen. Wichtige Passagen, wie z. B.: die Eingänge der Distinktionen, sind durch so genannten âIchâ- Aussagen gekennzeichnet. Die Forschung sieht in dieser empathischen Haltung âein Charakteristikum der didaktischen Literatur in der Volksspracheâ,cite-ref-4[4] da durch diese die dichterischen und moralischen AnsprĂźche des Autors auf eindringliche Weise vermittelt werden.cite-ref-5[5] Lediglich in den Fabeln und Erzählungen, die Hugo in den âRennerâ eingearbeitet hat, treten epische Erzähler in Erscheinung. Auch im Prolog hat er sich offenbar einer Erzählerstimme bedient, da anzunehmen ist, dass sein Inhalt auf Fiktion und nicht auf Hugos eigenen Erlebnissen beruht. Aufgrund der belehrenden Absicht, die Hugo mit seinem Werk verfolgt, wendet er sich häufig direkt an den Leser, um sich seine Aufmerksamkeit zu sichern.
Inhalt
Im Folgenden werden die Inhalte sowie formalen Gestaltungen der einzelnen Abschnitte des âRennerâ erläutert.cite-ref-6[6]
Prolog (V. 1 â 268)
Die Literaturforschung bezeichnet den Teil des âRennerâ als Prolog, der vor der Abhandlung Ăźber die erste HauptsĂźnde, der hĂ´chfart, steht. Er setzt sich aus einem so genannten Prologus praeter rem und einem Prologus ante rem zusammen. Nach Erkenntnissen der Forschung präsentiert ein Dichter im Prologus praeter rem die Intention seines Werkes, während er im Prologus ante rem den Leser in die Werkthematik einfĂźhrt.cite-ref-7[7] Dies ist auch im âRennerâ Hugo von Trimbergs der Fall.
Der Prologus praeter rem (V. 1 â 36)
Aufbau
Der Prologus praeter rem besteht aus drei Strophen zu je zwĂślf Zeilen. Jede Strophe hat ein eigenes Reimschema. Die Reimschemata verleihen jeder Strophe ihren individuellen Charakter, durch Wiederaufnahmen und Abwandlungen der Reime bzw. Reimfolgen werden sie jedoch auch miteinander verknĂźpft und so als zusammengehĂśrig gekennzeichnet.cite-ref-8[8]
Inhalt
Auch thematisch heben sich die drei Strophen des Prologus praeter rem voneinander ab: In der ersten Strophe (V. 1-12) stellt Hugo sich als Dichter des Werkes vor und beschreibt sich als alten Mann, der schon länger unter Beschwerden wie Kopfbrummen und Ohrensausen leidet, wegen der er schon erwogen hat, das Dichten aufzugeben.
In der zweiten Strophe (V. 13- 24) teilt er den Lesern die Intention mit, die er mit dem Verfassen des âRennerâ verfolgt: Hugo mĂśchte seinen âguoten friunden [ein bĂźechelin] tihtenâ â âguten Freunden [ein BĂźchlein] dichtenâ (V. 16), damit sie ihm beim Lesen seines Werkes âgedenkenâ. Hiermit leistet er eine FĂźrbitte fĂźr sein Seelenheil. Weiterhin soll der âRennerâ ihm und anderen Menschen als BuĂleistung dienen.
In der dritten Strophe (V. 25- 36) gibt Hugo an, er habe âsiben bĂźechelin/ In tiutsch [âŚ], und in lâtin fĂźnftehalbesâ â âsieben BĂźchlein/ Auf Deutsch [âŚ], und auf Latein fĂźnf halbeâ (26 f.) geschrieben: Der âRennerâ ist das einzige der fĂźnf deutschsprachigen Werke Hugo von Trimbergs, das erhalten geblieben ist. Er ist weiterhin die einzige Arbeit, die Hugo âbewusst als rein deutsches Werkâcite-ref-weis-9-0[9] konzipiert hat, um seine Inhalte dem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen.cite-ref-weis-9-1[9] Mit dem halben âbĂźchelinâ meint Hugo den âSamenerâ, den er nicht vollenden konnte, da er BĂśgen des Werkes verlor. Seinen Inhalt hat er jedoch im âRennerâ in den Versen 24588 â 24605 integriert. Weiterhin erbittet Hugo in der dritten Strophe den Beistand Gottes, damit sein Werk gelingen kann. Dies ist fĂźr geistliche Werke des Mittelalters typisch.cite-ref-10[10] Hugo erhofft sich jedoch nicht nur, dass Gott ihm den ârechtenâ Weg fĂźr seine Dichtung aufzeigt, sondern vor allem, dass dieser ihm die Kraft gibt, sein Werk vor seinem Tode zu vollenden. Der Prologus prater rem endet mit einem Aufruf zum Gebet (Vgl. V. 33- 36). Dies verweist noch einmal darauf, dass Hugo den âRennerâ als ein vorwiegend geistliches Lehrwerk betrachtet.cite-ref-11[11]
Der Prologus ante rem (V. 37 â 268)
Aufbau
Schon in formaler Hinsicht lässt sich der Prologus ante rem von dem ihm vorhergegangenen Prologus praeter rem unterscheiden: Er ist anders als sein Vorgänger nicht in Strophen aufgebaut, sondern durch die fĂźr den âRennerâ typischen âfortlaufende Reimpaarverseâcite-ref-12[12] gekennzeichnet. GrĂśĂtenteils tauchen diese in Form des Paarreimes auf, z. B. V. 49 ff.:
âĂf einem grĂźenen reine, / âAuf einem grĂźnen Wiesenrain, /
Gesundert alterseine, / ganz allein, /
Der was gezierte harte wol, / der sehr geschmĂźckt war, /
Wenne er stuont liehter blĂźete vol [âŚ]â denn er stand in voller BlĂźteâ [âŚ]
Nur in den Versen 80 â 83, 151 â 154, 175 â 178 und 195 â 198 kommen auch Vierfachreime vor, die die Ordnung der Paarreimketten durchbrechen, z. B. V. 151 ff.:
âDĂ´ Adâm und Ăvâ beide / âAls Adam wie Eva/
Von der wunneclichen heide / von der herrlichen Heide/
Des paradĂŽses muosten scheide, / Des Paradieses scheiden mussten, /
DĂ´ lebten sie mit leide.â lebten sie mit Leid.â
Die Thematik des âRennerâ wird in der so genannten Birnbaumallegorie präsentiert. Das Geschehen wird von einem homodiegetischen Erzähler präsentiert, der nicht mit Hugo von Trimberg gleichzusetzen ist.
Der Erzähler der Allegorie ist nicht nur homodiegetisch, sondern auch autodiegetisch, da er die Hauptfigur der Geschichte ist und als Ich-Erzähler auftritt. Hugo bedient sich in der Birnbaumallegorie folglich einer internen Fokalisierung. Der Inhalt gliedert sich in die Birnbaumallegorie und ihre Allegorese.
Inhalt: Die Birnbaumallegorie und Allegorese
Der Ich-Erzähler beschreibt, wie er an eine Heide kommt, die in einem Tal liegt, das von hohen Bergen umgeben ist: âDiu heide lac in einem tal, / GlĂŽche gemezzen und niht ze breit, / Mit hĂ´hen bergen Ăźmmeleitâ (V. 44 â 46) â âDie Heide lag in einem Tal, gleich groĂ und nicht zu breit, mit hohen Bergen umgebenâ. Ein schmaler, grasiger Pfad fĂźhrt den Erzähler zu der Heide, auf der zahlreiche Blumen wachsen (Vgl. V. 40 â 43). Der Erzähler beginnt die Gegend näher zu erkunden. Auf seinem Weg entdeckt er einen Baum, den er ausfĂźhrlich beschreibt: Der Baum steht allein auf einem StĂźck Wiese und trägt BlĂźten. Aus diesen entwickeln sich Birnen, die vom Wind âVirwizâ vom Baum geschĂźttelt werden, wenn sie reif sind (Vgl. V. 65- 75).
Einige Birnen fallen in einen Brunnen, der unter dem Birnbaum steht, andere in die PfĂźtze, die von dem Wasser des Brunnens gespeist wird. Ein anderer Teil der Birnen fällt in einen Dornenstrauch, der neben einem unberĂźhrten StĂźck grĂźnen Grases wächst, auf das ebenfalls einige Birnen fallen. Die Birnen, die in Brunnen, PfĂźtze und Dorn fallen, mĂźssen verderben. Die Birnen, die auf das Gras fallen, sind den Witterungen ausgesetzt und leiden etwas darunter, bleiben aber grĂśĂtenteils unversehrt (V. 87 â 100):
âEin teil ir in die lachen kam: âEin Teil von ihnen fiel in die PfĂźtze:
Nieman die her Ăťz nam; / Niemand nahm sie dort heraus; /
Ein teil viel in den brunnen: / Ein Teil fiel in den Brunnen: /
Die beliben ungewunnen; / Die blieben unerobert; /
Ir viel ein teil in den dorn: / Ein Teil fiel in den Dornenbusch: /
Mich dunket die sĂŽn ouch verlon, Ich denke, die sind auch verloren,
Wenn si mßezen fÝlen dâr an/ Weil sie dort faulen mßssen/
Niht wol man daz erwenden kann. Das kann man nicht verhindern.
Ir viel ein teil ouch Ăťf daz gras: / Ein Teil von ihnen fiel auch auf das Gras: /
Die lâgen wol, swie vil der was: / Die lagen gut, obwohl viele dort waren: /
Aleine daz weter in tĂŞt wĂŞ, / Obwohl das Wetter ihnen zusetzte, /
Doch verdurben jene anderen ĂŞ/ Verdarben jene anderen eher/
Die dâ lâgen an boeser stat, / Die an schlechter Stelle lagen, /
Als man iuch vor bescheiden hât.â Wie man euch zuvor berichtet hat.â
Mit diesem Abschnitt endet die Beschreibung des Birnbaums und somit auch die Allegorie. Im Folgenden leitet Hugo die Allegorese, die Deutung des zuvor kreierten Bildes, ein: âNu merket, junge liute, / Was der boum bediute, / Der dorn und ouch das grĂźene gras/ Und swaz mĂŞr Ăťf der heide was!â â âNun merkt euch, junge Leute, / Was der Baum bedeutet, / Der Dornbusch und auch das grĂźne Gras/ Und was mehr auf der Heide war!â (V. 101 â 104).
Hugo geht mit seiner Deutung subtil vor: Zunächst erzählt er von der SchĂśpfung des Menschen und Adams und Evas friedlichem Leben im Garten Eden (Vgl. V. 105 â 122). Im Folgenden widmet er sich der Beschreibung des SĂźndenfalls, der seiner Meinung nach die Ursache fĂźr die Entstehung der SĂźnden ist. An dieser Stelle entschlĂźsselt Hugo auch die Bedeutung der Symbole aus der âBirnbaumallegorieâ: Hiernach steht der Brunnen fĂźr die Habgier (gĂŽtikeit), der Dornenbusch fĂźr den Hochmut (hĂ´chfart) und die PfĂźtze fĂźr die SĂźnden GefräĂigkeit (frâz), Unzucht (unkiusche), Zorn (zĂ´rn), Neid (nĂŽt) und Trägheit (lâzheit). Brunnen und Dornenbusch entstanden, weil Adam und Eva gierig und hochmĂźtig waren, als sie gegen Gottes Verbot verstieĂen. Die PfĂźtze bzw. Lache der anderen SĂźnden ist eine Folge des Brunnens der Habgier. Das StĂźck grĂźnen Grases, auf welches die Birnen fallen, die fast gänzlich unverdorben bleiben, steht hingegen fĂźr die Reue, die Adam und Eva nach dem Essen der verbotenen Frucht verspĂźrt haben (Vgl. V. 124 â 132).
Hugo beschreibt den weiteren Verlauf des SĂźndenfalls, indem er die Verbannung Adams und Evas aus dem Paradies und ihr Leben auf der Erde schildert. Kurz bezieht er sich auf Kains Brudermord und erwähnt, dass es zahlreiche Nachkommen Adams und Evas gibt. Er mĂśchte aber nicht weiter auf sie eingehen und verweist die Leser an dieser Stelle auf das Buch Genesis, in dem der Anfang der Welt nachzulesen sei, und auf die Pfaffen und Klosterleute, denen Gott die Aufgabe gegeben habe, die Bibel zu deuten. Hugo sieht sich dazu als einfacher Laie nicht befugt bzw. befähigt (Vgl. V. 151â184).
Hugo bemĂźht sich lediglich um die moralische Deutung seiner Allegorie und fährt mit der EntschlĂźsselung der Symbole fort: So steht Eva fĂźr den Birnbaum: âEin rippe got Ăťz im [Adâm] dĂ´ nam, / Vonder unser muoter Ăvâ kam: / Si bediutet den boum aleine, / Der dâ wuohs Ăťf dem reineâ â âDann nahm Gott eine Rippe von ihm, / die kam von unser Mutter Eva: / sie steht fĂźr den Baum, / der allein dort auf der Wiese wuchsâ (V. 111â113). Die Birnen, die an dem Baum wachsen symbolisieren hingegen die Nachkommen Adams und Evas und zwar die jungen, heranwachsenden Menschen (Vgl. V. 201â203). Die Heide versinnbildlicht die von Gott geschaffene Welt, deren VorzĂźge Hugo auflistet, um am Ende dieser Schilderung zu dem Schluss zu kommen, dass die Erde im Vergleich zum Paradies immer noch ein Jammertal ist (Vgl. V. 207â234). Die Berge, die das Tal, in dem die Heide mit dem Birnbaum liegt, umgeben, stehen fĂźr die Sorgen und die MĂźhsal des Lebens (Vgl. V. 237â239).
Hugo weist im Folgenden darauf hin, dass er in seiner Dichtung nur die Christen, nicht aber die Juden, Ketzer und Heiden, berĂźcksichtigen wird, die wie die Birnen an unterschiedliche Orte fallen (Vgl. 246 ff.). Dies gelte fĂźr alle Menschen: âMeide, knehte, man und wĂŽp / SĂŞle und ĂŞre, guot und lĂŽp: / Des vallent si vil ungelĂŽche, / Junge, alte, arme und rĂŽche.â â âMädchen, junge Männer, Mann und Frau/ Seele und Ehre, Gut und Leib: / Sie fallen sehr ungleich, / Junge, alte, arme und reiche.â (V. 255 â 258). Das Fallen der reifen Birnen ist Hugo zufolge mit der LoslĂśsung der jungen Menschen von ihrer Mutter gleichzusetzen: Dies geschieht bei den Mädchen durch den Wind der Neugierde, âVirwizâ, und bei den Jungen durch den Egoisten, âher Selphartâ: âSwenne si die kintheit Ăźber strebent, / Und nie mĂŞr in vorhten lebent, / Sân kumt her Virwiz gerant / Und loest den meiden Ăťf diu bant; / Die knehte loest her Selphart, / Die vor ir muoter wâren zart.â â âWenn sie der Kindheit Widerstand leisten, / Und nie mehr in Furcht leben, / kommt sogleich Herr Neugierde gerannt/ und lĂśst den Mädchen die Bänder auf; / Die jungen Männer lĂśst Herr Egoist, / die vorher von ihrer Mutter geliebt wurden.â (V. 261 â 266).
Die Heide mit Blumen und Birnbaum wird von dem Ich-Erzähler als Naturidylle geschildert. Diese Schilderung kommt der Beschreibung eines locus amoenus gleich.cite-ref-13[13] In der Forschung wird die Allegorie des Prologs als eines der wenigen Elemente betrachtet, das dem umfangreichen Stoff des âRennerâ einen Aufbau und somit eine gemeinsame Struktur verleiht.cite-ref-14[14] Dies geschieht, indem Hugo im Prolog bereits in der gleichen Reihenfolge bzw. Hierarchie auf die SĂźnden Bezug nimmt, in der er diese auch im Hauptteil seines Werkes vorstellt. Ebenso verhält es sich mit der Reue, die im Prolog ähnlich kurz erwähnt wird, wie auch am Schluss des Textes. Der Prolog dient also als eine Art Inhaltsangabe und âGewichtungsangabeâ fĂźr den restlichen Text. Durch zahlreiche RĂźckbezĂźge auf die Eingangsallegorie des Prologs wird das Werk auch in seinem weiteren Verlauf inhaltlich zusammengehalten und erinnert den Leser daran, dass Hugo zunächst die SĂźnden der Menschheit schildern will, um ihnen im Anschluss aufzuzeigen, wie sie sich von diesen abwenden und ihr Seelenheil erlangen kĂśnnen.
Die âMorallehreâ (V. 269 â 24483)
Der Begriff der distinctio
Der Begriff distinctio stammt aus der scholastischen Methode, der die Prinzipien der Auslegung und Unterscheidung zu Grunde liegen. Eine distinctio ist sowohl eine Lehrform, als auch eine literarische Gattung. Als Gliederungsterminus, als der er im âRennerâ fungiert, wird der Begriff distinctio seit dem 12. Jh. im kanonischen Recht verwendet.cite-ref-15[15] Als Merkmal fĂźr Gliederungen taucht er seit dem späten 12. Jahrhundert vor allem in lateinischen Epen auf.cite-ref-16[16]
Die Distinktionen sind das beherrschende Strukturelement des Werkes. Mit der Einteilung in Distinktionen hat Hugo von Trimberg ein lateinisches Gliederungssystem in die volkssprachige deutsche Dichtung Ăźbernommen, wie es vor allem in der didaktischen Dichtung Ăźblich war. So verwendet z. B. ThomasĂŽn von Zerclaere in âDer wälsche Gastâ ein Gliederungsprinzip der lateinischen Scholastik des 12. und 13. Jahrhunderts. Schon durch die Einteilung in das lateinische Gliederungsprinzip der âDistinktionenâ zeichnet sich der âRennerâ als Arbeit aus, die sich in die Tradition mittelalterlicher, didaktischer Werke stellt.cite-ref-17[17]
Das allgemeine Gliederungsprinzip der Distinktionen im âRennerâ
Bei Betrachtung der Distinktionen lässt sich feststellen, dass Hugo bei der Beschreibung der SĂźnden einem erkennbaren Gliederungsmuster folgt: Zunächst stellt er die HauptsĂźnde, die in der jeweiligen Distinktion abgehandelt wird, zusammen mit ihren UntersĂźndern, vor. Er personifiziert die SĂźnden zu âHerrâ oder âHerrinâ und lässt die UntersĂźnden als âGesindeâ oder âGespielinnenâ auftreten. In einem zweiten Schritt werden die Verflechtungen der HauptsĂźnde untereinander, das Zusammenwirken mit ihren UntersĂźnden, sowie deren Hierarchie geschildert. Meist geschieht dies durch die Personifikation der UntersĂźnden als Amtspersonen der HauptsĂźnde. Danach beschreibt Hugo die Tätigkeiten und Eigenschaften der SĂźnde. Eine Anapherreihe, die der näheren Beschreibung eines Aspektes des Themengebietes der HauptsĂźnde dient, ist ein weiteres gemeinsames Merkmal der Distinktionen.cite-ref-18[18]
Die Distinktionen
Im Folgenden werden die Inhalte der sechs Distinktionen des âRennerâ abgehandelt.cite-ref-19[19]
Distinktion I: hĂ´chfart (V. 269 â 4366)
Die erste Distinktion, die sich mit der SĂźnde Hochmut befasst, beginnt mit einem eigenen Prolog, in dem Hugo sich auf die Birnbaumallegorie zurĂźckbezieht: âDer birn ein teil viel in den dorn, / Manic sĂŞle leider ist verlorn/ Von denn dorne, wenne er hât/ Die wurzeln aller missetât: / Zorn, haz und gĂŽtikeit, / Unkiusche, fraz, dar zuo lazheit/ Gein allen guoten dingen / Kann diu hĂ´chfart bringenâ â âEin Teil der Birnen fiel in den Dornenbusch, / Eine Anzahl von Seelen ist leider verloren/ Von dem Dornenbusch, wenn er sie hat/ Die Wurzeln aller Missetat: / Zorn, Hass und Habgier, / Unkeuschheit, GefräĂigkeit, da zu Trägheit/ Entgegen allen guten Dingen / Kann der Hochmut bringenâ (V. 296 â 276).
Hugo von Trimberg bezeichnet die hĂ´chfart in diesem Abschnitt als Wurzel allen Ăbels, da aus ihr alle anderen SĂźnden hervorgingen.cite-ref-20[20]
Er fĂźhrt die hĂ´chfart auf Lucifer zurĂźck, der ihretwegen aus dem Himmelreich verbannt wurde und nun als Teufel auf der Welt sein Unwesen treibt, indem er die Seelen der Menschen, die ihr verfallen, an sich zieht (vgl. V. 285 â 300). Es folgt eine Aufzählung der Tätigkeiten, die aus dieser erst genannten SĂźnde resultieren: âKetzerĂŽe, rĂźemen, tratzen/ Spotten, schrĂŽen, roufen, kratzen, / Schallen, brehten, reien, springen, / StĂźrmen, vehten, loufen, ringen/[âŚ]/ Diz ist der hĂ´chferte ingesinde, / BĂŽ dem ich selten iht guotes vindeâ â âKetzerei, prahlen, tratschen/ Spotten, schreien, raufen, kratzen, / Lärmen, zanken, tanzen, springen, / StĂźrmen, / kämpfen, laufen, ringen/ [âŚ]/ Das ist die Dienerschaft des Hochmuts, / Bei dem ich selten Gutes findeâ (V. 285 ff.). Die zahlreichen Substantive und substantivierten Verben werden als das âgesindeâ der hĂ´chfart präsentiert. Ihre Aneinanderreihung fungiert als rhetorisches Mittel, das den Lesern die Gefahren der SĂźnde hĂ´chfart besonders einprägsam vermitteln soll.
Im zweiten Abschnitt berichtet Hugo von den meiden, der ersten Personengruppe, die seiner Meinung nach von der hĂ´chfart bedroht ist. Er vergleicht die Mädchen, die zu frĂźh verheiratet oder ins Kloster gegeben werden, mit den Birnen, die vom Baum fallen, ehe sie richtig reif sind (Vgl. V. 443 â 445). Es schlieĂt sich ein dritter Teil mit einer Anapherreihe an, die die Eigenschaften der hĂ´chfart umfangreich beschreibt (vgl. V. 467 ff.).
Im Rest der ersten Distinktion schildert Hugo von Trimberg das Verhältnis der verschiedenen Stände zu der SĂźnde der hĂ´chfart: Er beginnt mit dem Adel, da dieser besonders anfällig fĂźr die hĂ´chfart sei. Seine Schilderungen entwickeln sich zu einer âHerrscherschelteâ. Hugo klagt Ăźber die Unsitten, die bei Hofe eingezogen sind, und Ăźber die UnterstĂźtzung des muotwillens der Herren durch den Hofstaat. Er verdeutlicht seine Kritik an dem Exempel âvom feisten Hofhundâ. Ihm folgt eine âBauernbelehrungâ. Am Ende dieses Abschnitts betont Hugo, dass alle Menschen vor Gott gleich seien und jeder Stand von den SĂźnden bedroht sei: âPfaffen, ritter und gebĂťre/ Sint alle gesippe von natĂťre/ Und sĂźln gar brĂźederlichen lebenâ â âPriester, Ritter und Bauern/ Sind alle von Natur aus mit einander verwandt/ Und sollen brĂźderlich lebenâ (V. 505 â 507). Im nächsten Abschnitt setzt er sich mit der Geistlichkeit auseinander: Er besteht aus einer Pfaffenschelte, einem Exkurs Ăźber Almosen und einer Abhandlung Ăźber Klosterleute und KapitelbrĂźder.
Die Distinktion I endet mit einem Epilog, in dem die Verflechtung der SĂźnden anhand des Bildes der dreikĂśpfigen Hydra verdeutlicht wird: Genau wie der Hydra drei neue KĂśpfe wachsen, wenn ihr einer abgeschlagen wird, folgen jeder Ăźberwundenen SĂźnde drei weitere, so dass der Mensch niemals von den SĂźnden frei sein kann: âVon einem slangen ich wĂŽlent las, / Der hete driu houbet und was/ [âŚ] Swer im [slangen] der houbte einez abe sneit, / SĂ´ wuohsen driu an eines stat. / Alsam tuot unser missetât: Slahen wir eine abe, /sĂ´ wahsent drĂŽ: Sus wirt der mensche nimmer frĂŽ [âŚ]â â âVon einer Schlange las ich vormals, / Die hatte drei KĂśpfe und war/ [âŚ] Wer ihr [der Schlange] einen der KĂśpfe abschlug, / So wuchsen drei an seiner Stelle. / Genauso tun es unsere Missetaten: Schlagen wir eine ab, / so wachsen drei: So wird der Mensch niemals frei [âŚ]â (V. 4325 â 4332). Wer glaubt, eine SĂźnde Ăźberwunden zu haben, so Hugo weiter, wird, ohne dass er sich dagegen wehren kann, von den anderen angegriffen (vgl. V. 4343f.). Am Ende des âHydra-Gleichnissesâ nimmt Hugo auf die Herkulessage Bezug und rät den Menschen, es Herkules gleichzutun und alle KĂśpfe bzw. SĂźnden auf einmal abzuschneiden (vgl. V. 4355 ff.).
Distinktion II: gĂŽtikeit (V. 4367 â 9431)
Im Prolog der zweiten Distinktion fĂźhrt Hugo die gĂŽtikeit ein. Er beschreibt sie hierbei als âGespielinâ der hĂ´chfart, der jedoch mehr Menschen verfallen. Ihre Anhänger seien so zahlreich, dass man sie nicht zählen kĂśnne: âDie hĂ´chfart lâze ich belĂŽben/ Und will ein wenig schrĂŽben/ Von ir gespiln der gĂŽtikeit, / Der schar ist sĂ´ grĂ´z und sĂ´ breit, / Daz si nieman gezeln kann:/ Wenne si hât wĂŽp und man// SĂ´ gar an sich gewunnen, / Daz mĂŞre in irn brunnen/ Birn vallent alle tage/ Denne Ăťf den dorn, got ich ez klage!â â âMit dem Hochmut hĂśre ich auf/ Und will ein wenig schreiben/ Von seiner Gespielin der Habgier, / Deren Schar ist so groĂ und so umfassend, / Dass sie niemand zählen kann: / Wenn sie Frau und Mann an sich gebunden hat, / Dass jeden Tag mehr Birnen in ihren Brunnen fallen, / Als in den Dornenbusch, Gott ich beklage es!â (V. 4375 â 4384).
Zu den Personengruppen, die besonders gefährdet sind, gehĂśren MĂśnche, Nonnen, Priester, Laien, MĂśrder, Diebe, Räuber, ZĂśllner, sowie Wucherer, Gastgeber, Händler und Handwerker (Vgl. V. 4386 â 4388). Der gĂŽtikeit verfallen nicht nur mehr Seelen, als der hĂ´chfart, ihr âGesindeâ ist auch umfangreicher. Hugo resigniert angesichts ihrer Menge: âWar zo sĂ´lte ich si alle nennen?/ Ir mĂźget daz selber wol bekennenâ â âWozu sollte ich sie alle nennen? Ihr werdet dass wohl selbst erkennenâ (V. 4403 f.).
Im ersten Abschnitt der Distinktion befasst Hugo sich mit den Themen lĂźgen und valsche eide und vor allem mit der untriuwe, einer âSchwesterâ der unkust. Er widmet ihr eine eigene Anapherreihe (Vgl. V. 4457ff.). In einem zweiten Teil setzt Hugo sich eingehend mit der gĂŽtikeit und ihrem Hofstatt auseinander: âGĂŽtikeit hât alterseine/ Mit aller missetât gemine: / BĂ´sheit ist ir kamerĂŽn, / Karkeit ist ir kelnerĂŽn, / Untriuwe ist ir râtgebĂŽn, / Unkust ist ir hârflechterĂŽn, / Liegen, triegen mac wol sĂŽn/ Ir schenkĂŽn und ir trehsĂŞzĂŽn, / Unwirde ist ir spĂŽserĂŽn [âŚ]â â âDie Habgier hat ganz alleine/ Mit allen Missetaten etwas gemein: / Bosheit ist ihre Kammersfrau, / Kargheit ist ihre Kellnerin, / Untreie ist ihre Ratgeberin, / Hinterlist ist ihre Haarflechterin, / LĂźgen, TrĂźgen mĂśgen wohl/ ihre Einschenkerin und Schatzmeisterin sein/ Verachtung ist ihre Speiserin [âŚ]â (V. 4565 â 4578). Diese Aufzählung der âDienerinnenâ der gĂŽtikeit wird durch Personifikationsallegorien gekennzeichnet, durch die Hugo sie sogleich in eine Hierarchie einordnet. Während zum Beispiel die untriuwe in der gehobenen Position der Ratgeberin fungiert, tritt die unkust lediglich als Haarflechterin der gĂŽtikeit auf. Die gĂŽtikeit ist Hugos Meinung nach nur darauf aus, den âSchatzâ zu vermehren und gaukelt nach auĂen hin Tugend vor, während sie andere der Untugend beschuldigt (Vgl. V. 4581 ff.).
Es folgt ein weiterer Abschnitt, in dem Hugo sich mit den Verhaltensweisen der gÎtigen anhand von Beispielen auseinandersetzt. Im Weiteren beklagt Hugo die Folgen der gÎtikeit und fßhrt Tiere an, die die gÎtikeit in der Tierwelt symbolisieren, wie z. B. Spinne, Maulwurf, KrÜte und Hahn (Vgl. V. 4792 ff.). Er schildert die Schlechtigkeit der Menschen, die der Sßnde verfallen, klagt ßber neue Handlungssitten, wie z. B. den Verkauf, sowie ßber die Heuchelei, die eine besonders hinterhältige Form der gÎtikeit sei. Es folgen weitere Abschnitte, die sich mit den gefährdeten Personengruppen auseinandersetzen, sowie zahlreiche Erzählungen, Fabeln und Beispiele, die die Gefahr der gÎtikeit betonen sollen und demselben Schema folgen wie die oben genannten.
Die zweite Distinktion endet mit einem Epilog zur gĂŽtikeit und hĂ´chfart.
Exkurs I: Reflexion Ăźber die Dichtung (V. 9381â 9431)
Der erste Exkurs setzt sich aus den beiden letzten Abschnitten der zweiten Distinktion Ăźber die gĂŽtikeit zusammen. Hierin reflektiert Hugo Ăźber seine Dichtung. Diese Reflexion beginnt mit einer Klage Ăźber sein Alter. Hugo hat im Laufe der Jahre sowohl sein gutes Gedächtnis, als auch seine schnelle Auffassungsgabe eingebĂźĂt. Nun muss er alles, was er dichtet, sofort aufschreiben, damit er es nicht vergisst (Vgl. V. 9318 ff.). Hiermit hängen auch die zahlreichen Wiederholungen zusammen, die in seinem Werk auftauchen. Hugo entschuldigt sich fĂźr diese und bittet seine Leser um Nachsicht (Vgl. V. 9318 â 9322). Die Altersklage kommt einer Demutsformel gleich, in der er seine Dichtung verteidigt:cite-ref-21[21] So habe beispielsweise jeder Mensch einen anderen Geschmack. So wie einigen Menschen Honig schmeckt und gut bekommt, ist bei anderen Menschen das Gegenteil der Fall: âHonic ist manigen liuten guot, / Manigen liuten ez schaden tuotâ â âHonig tut manchen Leuten gut, / Manchen Leuten schadet erâ (V. 9360 â 9361). Hiermit will Hugo darauf hinweisen, dass sein Werk nicht allen gefallen muss, da auch Literatur eine Sache des Geschmackes ist. Er beschreibt die Mannigfaltigkeit der Jahreszeiten und begrĂźndet die Präsentation von Positivem und Negativem in seiner Dichtung mit der Koexistenz von heilsamen und schädlichen Pflanzen in der Natur. Mit dieser will er durch das ganze Land âVon dern Meine biz and den RĂŽn [âŚ]â â âVom Main bis an den Rhein [âŚ]â(V. 9398) fahren. Er hofft hiermit zu erreichen, dass die Leser seiner Seele gedenken und ihm auf diese Weise das Seelenheil garantieren (Vgl. 9400 f.).
Der zweite Teil des Exkurses stellt einen RĂźckblick auf die beiden SĂźnden, hĂ´chfart und gĂŽtikeit, dar. Auch das Thema der SĂźndenverflechtung wird in diesem Zuge noch einmal angesprochen. Hugo vergleicht die SĂźnden mit Ăsten und Wurzeln, die so verworren seien, dass es niemandem, auch Hugo selbst nicht, gelingt, sie zu durchschauen (Vgl. V. 9402 ff.). Doch da Hugo die Welt darstellen will, wie sie ist, nimmt er die Verwirrung, die durch die Verflechtung der SĂźnden entsteht, in Kauf.cite-ref-22[22]
Distinktion III: frâz (V. 9432 â 11726)
Die dritte Distinktion beginnt mit einem Prolog, in dem Hugo den frâz einfĂźhrt und die ihm verwandten Laster darstellt: âVon dem frâze ich sagen will: / Frâz, luoder und spil / Machent tummer liute vil / Und unkiusche, diu ouch ir gespil / Je was und muoz immer sĂŽnâ â âVon der GefräĂigkeit will ich sagen: / GefräĂigkeit, Verlockung und Spiel/ Machen viele Leute dumm/ Und Unkeuschheit, die auch ihre Gespielin ist/ So war es und muss immer seinâ (V. 9432 â 9436). Die GefräĂigkeit, die aus der gĂŽtikeit hervorgeht, mache die Menschen dumm. WĂŽsheit sei deshalb die Voraussetzung, um die SĂźndenverflechtung zu erfassen. Menschen, die dem frâz verfallen, bleibe eine solche Einsicht jedoch verwehrt.
Das Gesinde des frâzes wird von Bruoder Slunt und her Trunc angefĂźhrt. Genau wie die Gespielinnen der gĂŽtikeit, treten auch die Anhänger des frâzes in Form von substantivierten Verben und mit fiktiven Eigennamen auf. Hugo kritisiert in dieser Aufzählung nicht nur die Folgen der Trunksucht, sondern auch das Spielen von Musikinstrumenten, Lachen und Schwatzen (Vgl. V. 9445 ff.). Zum Beginn des zweiten Abschnitts weist Hugo darauf hin, dass die Tugend mâze der SĂźnde frâz vorbeugen kann. Er bezieht die MäĂigkeit zunächst auf das ezzen. Später folgt ein Teil Ăźber das trinken.
Im ersten Unterabschnitt erläutert er, dass mâze ein Grundgesetz der Natur sei. Hierbei beruft er sich auf Plinius, Galen und Hippokrates, die seiner Meinung nach die Meister der Natur sind, sowie auf Beispiele von Freidank (Vgl. V. 9590 ff.). Weiterhin fĂźhrt er das Exempel von der Nonne an, die unbewusst den Teufel isst. Es folgt die Ăsop -Fabel und ihre Auslegung. Danach setzt Hugo sich mit der unmâze als Quelle weiterer SĂźnden auseinander und beruft sich hierbei auf die Geschichte Esaus aus dem Alten Testament (Vgl. 9810 ff.). Hugos Ansicht nach, ist die schlimmste Konsequenz, die der frâz mit sich bringt, die Vernachlässigung der Gottesandacht. Ihm zufolge ist die Offenheit der Menschen Grund fĂźr das vermehrte Auftreten der SĂźnde frâz. Im Weiteren ruft Hugo die Menschen dazu auf, dem weltlichen Gut abzuschwĂśren und sich wieder auf Gott zu besinnen, da nur ein Leben in seinem Sinne, den Menschen zum Seelenheil fĂźhren kann. Er fĂźhrt Gier und die Vernachlässigung des ârichtigen MaĂhaltensâ als Ursache fĂźr das Elend in der Welt an (Vgl. V. 10321 ff.).
Im Folgenden bezieht Hugo sich wieder auf den frâz, hebt aber insbesondere das luoder hervor. Danach erklärt Hugo, dass Christen, die nach Reichtum streben, seiner Meinung nach nicht besser als Heiden sind, da sie Gold und Silber wie GĂśtter verehren. Hierzu bringt er als Exempel mit anschlieĂender Auslegung die Geschichte âPrälat und Birnenâ an. Im nächsten Unterabschnitt lobt Hugo die Ordnung der Welt, kritisiert aber gleichzeitig die mangelnde Gottesliebe, die seines Erachtens zu Fehden zwischen den Menschen fĂźhrt (Vgl. V. 10875 ff.). Hugo widmet den letzten Teil der dritten Distinktion dem spil, welches ein Bruder des luoders sei (Vgl. V. 11253 â 11257). Spielsucht verursache unter anderem Diebstahl, Meineid, LĂźgen, Mord und untriuwe. AuĂerdem hänge sie auch mit den SĂźnden zĂ´rn und nĂŽt zusammen (Vgl. V. 11265 ff.).
Hugo weist danach auf die tumpheit der weltlichen Spiele hin. Zu ihnen gehĂśren seiner Auffassung nach: wĂźrfel, Boccia, wurfzabel,cite-ref-23[23] Zwangsdienst, stechen, justieren und turneien, steinwerfen, sowie ĂźbermäĂiges ringen und springen. Das Exempel âVon zwei Kämpenâ soll diese Kritik weiter verdeutlichen (Vgl. V. 11287 ff.).
Die dritte Distinktion endet mit einem Epilog zum frâz, in dem noch einmal biblische Exempel angefßhrt werden (Vgl. V. 11691 ff.).
Distinktion IV: unkiusche (V. 11727 â 13964)
Zu Beginn der vierten Distinktion wird die unkiusche, die als eine âGespielinâ des frâzes vorgestellt wird, gemeinsam mit ihrem âGesindeâ in einem Prolog in Form einer Aneinanderreihung substantivierter Verben eingefĂźhrt. Es folgt eine Anapherreihe, in der die Tätigkeiten, die diese mit sich ziehen, aufgelistet werden. Zu ihnen gehĂśren u. a. Tanzen, Lachen, Baden, KĂźssen und Schminken (Vgl. V. 11727 ff.). Der Prolog endet mit einem Freidank-Zitat und einem Ăbergang zu biblischen Beispielen, die sich im nächsten Unterabschnitt anschlieĂen und die Unzucht thematisieren (Vgl. V. 11772 ff.).
In einem nächsten Kapitel setzt Hugo sich mit falschen Vorbildern, v. a. mit der Rolle von AbgĂśttern, auseinander und warnt vor diesen. Danach widmet er sie der demuot, die seiner Meinung nach eine wichtige Tugend ist. Ihre VorzĂźge werden in einer weiteren Anapherreihe aufgelistet. Es schlieĂt sich ein Marienlob an (Vgl. V. 11905 ff.). Im nächsten Abschnitt geht Hugo auf die VerfĂźhrbarkeit junger Mädchen ein, bringt dann eine Erzählung Ăźber eine Frau an, die ihren Mann mit einer List betrĂźgt und legt diese anschlieĂend aus. Es folgen weitere Abschnitte Ăźber Frauen, die der unkiusche verfallen und GegenĂźberstellungen von Frauen, die Hugo als tugendhaft erachtet. Hugo bedient sich zahlreichen Beispiele und Erzählungen, um seine Thesen zu stĂźtzen. Hugo hebt in dieser Distinktion den Wert der Bibel fĂźr die Menschen hervor, kritisiert aber, dass Pfaffen häufig die falschen kĂźnste lehren und diese auch nicht richtig verstehen wĂźrden. Er weist darauf hin, dass Menschen durch das Streben nach irdischen GĂźtern häufig auf den falschen Weg gefĂźhrt wĂźrden und gibt Beispiele dafĂźr (Vgl. V. 13013 ff.).
Hugo beschlieĂt die vierte Distinktion mit folgenden Worten: âDer unkiusche sĂźl wir urloup geben, / Wenne ir getiusche kann nieman eben / DurchgrĂźnden und ir missetât / Und manic tĂźckelĂŽn, diu si hâtâ â âDer UnzĂźchtigkeit sollen wir die Erlaubnis geben, sich zu verabschieden, / Denn ihre BetrĂźgerei kann niemand glätten/ Durchschauen und ihre Missetaten/ Und viele TĂźcken, die sie hatâ (V. 13865 â 13868). Da die UnzĂźchtigkeit unergrĂźndlich bleibt, will Hugo sich im Folgenden dem zorn, dem nĂŽt und ihrem âGesindeâ zuwenden.
Exkurs II: Die âReitermetapherâ (V. 13899 â 13964)
Am Ende der vierten Distinktion versucht Hugo, die zahlreichen GedankensprĂźnge des âRennerâ mit der Metapher eines Reiters zu begrĂźnden, dem sein Pferd durchgeht. Hierbei steht der Reiter fĂźr den Dichter und das durchgehende Pferd fĂźr das Werk, das er nicht beherrschen kann (vgl. V. 13905 ff.). Hugo beginnt den Exkurs, indem er feststellt, dass viele Reiter ihr Pferd nicht beherrschen, womit er im Ăźbertragenen Sinne auf die (Un-)Fähigkeiten der Dichter verweist. Im Folgenden bezieht er das Bild die Reitermetapher auch auf sein eigenes Werk und gesteht den Lesern, dass auch er von seiner Dichtung gesteuert wird und ihren Verlauf, ähnlich wie der Reiter seinen Weg zu Pferd, nicht immer bestimmen kann: âDaz selbe ich ouch an mir bekenne, / Swenne ich den louf ein teil zetrenne / An mĂŽnem getihte und mit im renne, / Swar ez mich hin treit mit gewaltâ â âDasselbe erkenne ich auch an mir, / Wenn ich einen Teil des Laufs auftrenne / An meiner Dichtung und mit ihm renne, / Wohin es mich hintreibt mit Gewaltâ (V. 13908 â 13911).
Die Dichtung wird durch diese Beschreibung personifiziert und entwickelt ein Eigenleben. Dies wird auch in dem Bild des Reiters deutlich: Das Pferd geht mit dem Reiter durch und diesem gelingt es nicht, dieses wieder auf die ursprĂźngliche Bahn zurĂźckzulenken. Hugo setzt den Ritt mit der Entwicklung seiner Dichtung gleich und schildert die Hindernisse, die sich den Dichtern bei einem solchen âRittâ in den Weg stellen kĂśnnen: âBringe ich ez wider an die vart, / SĂ´ loufet ez ofte vĂźr manic zil, / Verrer denne mĂŽn herze will; / Ăber stoc, stein, stoup, bluomen und lachen/ Treit ez mich von manigen sachen: Begegnet aber uns ein tiefer grabe, / SĂ´ strĂťchet ez selber und wirft mich abe:/ SĂ´ sitze ich als in einem troume / Und vâhe ez aber bĂŽ dem zoume / Und loufe mit im Ăźber velt hin dan / Als der niht wol rĂŽten kanâ â âBringe ich es wieder zum Laufen, / So läuft es oft fĂźr manches Ziel, / Weiter als mein Herz es wĂźnscht; / Ăber Stock, Stein, Staub, Blumen und PfĂźtzen/ Vertreibt es mich von vielen Sachen: Begegnet uns aber ein tiefer Graben, / Dann strauchelt es selbst und wirft mich ab: / So sitze ich wie in einem Traum/ Und fasse es bei dem Zaumzeug/ Und laufe mit ihm Ăźber das Feld hin/ Als wenn ich es nicht gut reiten kĂśnnteâ (V. 13925 â 13940). âWirftâ ihn die Dichtung also âabâ, nimmt Hugo das âPferdâ bei den ZĂźgeln und fĂźhrt es, als wĂźsste man nicht, wie man richtig reitet. Dieser Vergleich verdeutlicht, wie schwierig die Tätigkeit eines Dichters sein kann, wenn die Dichtung die FĂźhrung Ăźbernimmt. Verliert der Dichter sich in der Materie seines Werkes, kann es schnell unĂźbersichtlich werden.cite-ref-24[24]
Ăhnlich wie im ersten Exkurs, tritt auch hier eine Demutformel auf. Sie folgt auf die âReitermetapherâ und dient Hugo dazu, auf seine âungenĂźgendeâ Bildung und seine Unfähigkeit, âtiefsinnigeâ Worte zu verwenden, hinzuweisen (Vgl. V. 13941 â 13949). In dieser Schilderung schreibt Hugo das Privileg der Verwendung von tiefsinnigen Worten den hĂ´hen meistern zu, deren Wissen wie ein Fluss aus einer Quelle entspringt und sich durchs Land verbreitet. Seine eigene Schaffenskraft ist in Hugos Augen lediglich mit einem Zweig zu vergleichen, der auf der Oberfläche des Wassers oder als Rinnsal Ăźber einer zugefrorenen Eisdecke schwimmt, jeder kĂźnstlerischen Ader entbehrt und nicht an die Leistungen der hĂ´hen meistern heranreicht.cite-ref-25[25] Im Folgenden erfährt man, was Hugo mit seinem âungenĂźgenden Bildungsstandâ meint. Denn er erklärt: âSalern, Padouwe, OrlĂŞns, Pâris/ wurden nie von mir beschouwetâ â âSalerno, Padua, Orleans, Paris / wurden nie von mir gesehenâ (V. 13950 f.). Hugo hat also keine Hochschule besucht und bezeichnet sich selbst sogar als âarmer lĂŞre knabeâ â âJunge einer armen Lehreâ (V. 13953). Dadurch grenzt er sich zusätzlich von den hĂ´hen meistern ab. Danach bringt er ein Zitat an, das besagt, dass jeder sich der Kunst widmen soll, die ihm zusteht (Vgl. V. 13959 ff.). Auch Hugo will sich nicht gegen die von Gott gegebene Ordnung stellen und rechtfertigt durch seine Argumentation, dass er nicht genauso tief in die Materie vordringt, wie es die hĂ´hen meister vermĂśgen wĂźrden.
Distinktion V: zorn und nĂŽt (V. 13965 â 15946)
In der fĂźnften Distinktion fasst Hugo die SĂźnden zorn und nĂŽt zusammen. Sie entstammen dem Brunnen der gĂŽtikeit, seien jedoch genau wie die unkiusche nicht zu ergrĂźnden, da sie mit allen anderen SĂźnden verflochten sind. Diese SĂźndenverflechtung stellt Hugo im Prolog der fĂźnften Distinktion dar (Vgl. V. 13969 ff.).
Weiterhin weist Hugo in diesem Abschnitt auf die âverheerende Wirkung der beiden WĂśrter mein und deinâcite-ref-26[26] hin, die seiner Meinung nach fĂźr die Streitigkeiten zwischen den Menschen verantwortlich sind. Hierbei beruft er sich auf Seneca und auf das biblische Beispiel Kains, der seinen Bruder Abel sowohl aus Neid, Zorn, als auch aus Habgier erschlug. Danach fĂźhrt Hugo aus, wie sich Neid durch Zorn in Hass verwandelt.
Um die Wirkung der SĂźnden untereinander zu verdeutlichen, vergleicht Hugo diese mit einem brennenden Fass, dem man den Boden Ăśffnet: Während der Neid im Stillen brennt, bringt der Zorn das Feuer zum Ausbruch (Vgl. V. 13986 ff.). Weiterhin ordnet Hugo dem Neid nach Freidank die Farben GrĂźn, Gelb und Blau und weist darauf hin, dass Zorn aus der Galle stammt: âGrĂźene, gel und weitĂŽn / Sol diu nĂŽtvarwe sĂŽn [âŚ] Ir sĂźlt ouch wizzen daz der zorn / Von der gallen ist gebornâ â âGrĂźn, Gelb und Blau/ Sollen die Neidfarben sein [âŚ] Ihr sollt auch wissen, dass der Zorn / Von der Galle geboren wirdâ (V. 14015 ff.).
Danach beschreibt Hugo die WesenszĂźge des Zornes. Seiner Meinung nach beeinträchtigt er die Sinne und den Verstand. Die weiteren Eigenschaften des Zornes schildert Hugo in einer Anapherreihe (Vgl. V. 14019 ff.). AnschlieĂend weist er darauf hin, dass Zorn ein Merkmal der Toren sei und zählt sein âGesindeâ wieder in Form einer Aneinanderreihung von substantivierten Verben und fiktiven Eigennamen auf. Infolge der SĂźnden Hass und Neid sei Theben untergegangen. Es folgt ein Abschnitt, in dem das Exempel âDer gestohlene Schinkenâ präsentiert und ausgelegt wird. Im Folgenden erklärt Hugo, dass die Taten der Menschen von Neid beherrscht wĂźrden und deswegen schlechte Ratschläge von Hinterlistigen häufig Leid bringen. Als Beispiele hierfĂźr fĂźhrt er Achitofel, Gideon und Abimelech an (Vgl. V. 14099 ff.).
Im nächsten Abschnitt widmet Hugo sich dem nĂŽt und macht ihn dafĂźr verantwortlich, dass die Menschen immer das Schlechte in dem jeweils anderen sehen. HierfĂźr bringt er das Beispiel vom Basilisk an (V. 14356 â 14375). Hugo ruft die Menschen dazu auf, sich vor dem Neid zu hĂźten, da er zahlreiche FolgesĂźnden mit sich ziehen wĂźrde. Die Neidischen weiterhin vergiften seiner Meinung nach die Unschuldigen, was er mit dem Exempel âGiftnahrungâ (V. 14565 â 14599) verdeutlicht. Im Folgenden beschreibt Hugo die negativen Auswirkungen von Lug und Trug und weist darauf hin, dass die Propheten des AT bereits den negativen Zustand, in dem die Welt sich nun befindet, vorausgesagt haben. Hierbei bezieht er sich auf das Buch Jeremia Weiterhin erklärt er, dass Neid bereits zu Zeiten Adams existiert habe (Vgl. V. 15303 â 15548). Hugo ruft die Menschen dazu auf, nicht zu viel zu trĂťren. Diesen Aufruf versucht er durch das Exempel vom schwermĂźtigen MĂśnch zu verstärken. Es folgt ein weiteres Exempel mit Auslegung, das sich damit auseinandersetzt, ob Feuer mit Feuer gelĂśscht werden sollte (Vgl. V. 15645 â 15732 bzw.752).
AbschlieĂend weist Hugo noch einmal darauf hin, dass die hĂ´chfart und ihre UntersĂźnden viel Unheil in die Welt bringen. Er beruft sich hierbei auf biblische und antike Exempla, ehe er die fĂźnfte Distinktion mit einem Epilog beendet, der eine als Exkurs angelegte Schreiberklage beinhaltet (Vgl. V. 15753 â 15946).
Exkurs III: Klage Ăźber die schrĂŽber (V. 15901 â 15946)
Im dritten Exkurs beklagt Hugo sich Ăźber âdumme Schreiberâ: Ihre Unfähigkeit drĂźckt sich darin aus, dass sie BĂźcher durch Wortumstellungen oder Buchstabeneliminierung so verändern, dass sie die gesamte Aussage des Werkes verfälschen und dieses dadurch zerstĂśren. Sie tun dies, Hugos Meinung nach, weil sie dumm, neidisch oder unzĂźchtig sind. Ein tugendhafter Mensch wĂźrde im Gegensatz zu einem sĂźndhaften Menschen nicht immer nur das Negative wahrnehmen und daher einen Fehler entweder beschĂśnigen oder nicht erwähnen. Auch bei den Abschriften des âRennerâ, die zu Hugos Lebzeiten entstanden, scheint es durch bĂśswillige und unfähige Schreiber zu Verfälschungen von Text und Aussage gekommen zu sein.
Hugo schildert im Folgenden seine eigene Arbeitsweise, um sich von den tummen schrĂŽbern zu distanzieren.cite-ref-27[27] âIch hân gestupfelt als ein man, / Der eigen velt nie gewan / Und in rĂŽcher lĂŽute korn / Hinden eherte, swenne si vorn / Sichelinge hin truogen oder garben [âŚ]. Swer flĂŽziclich ehert, der hât ouch korn. / Ein bine vil manige bluomen rĂźerte / In velden, in welden, biz si gefĂźerte / Ir honic in ein vezzelĂŽn / Als vil als des denne mac gesĂŽnâ â âIch habe Ăhren nachgelesen wie ein Mann, / Der nie ein eigenes Feld besaĂ / Und in dem Korn reicher Leute /Hinten Ăhren liest, wenn sie vorn / Sicheln hintrugen oder Garben. / Wer fleiĂig Ehren liest, der hat auch Korn. / Eine Biene wĂźhlt in sehr vielen Blumen/ Auf Feldern, in Wäldern, bis sie ihren Honig in ein Fass bringt / So viel, wie das dann auch sein magâ (V. 15919 â 15930). Er beschreibt sich als einen Mann, der auf den Kornfeldern reicher Leute die Ăhren liest, da er selbst kein eigenes Feld besitzt. Weiterhin vergleicht er sich selbst mit einer Biene, die Honig aus zahlreichen Blumen sammelt und in ein vezzelĂŽn (V. 15929) bringt. Diese beiden Vergleiche gehen auf Thomas Cisterciensis zurĂźck.cite-ref-28[28]
Zum Schluss geht Hugo noch auf das Rezeptionsverhalten ein, das er sich von den Lesern des âRennerâ erhofft: Er wĂźnscht nicht, dass sein Werk als Geschwätz angesehen wird. Es enthalte zwar Honig und Gift, also Angenehmes und Unangenehmes, doch da der âRennerâ auf der Heiligen Schrift basiert, mĂźsste es von den Lesern ernst genommen werden. Genau wie Hugo als honigsammelnde Biene seine Quellen auswählt, sollen auch die Leser aus dem âRennerâ das fĂźr ihn NĂźtzliche selektieren (Vgl. V. 15931 â 15939).
Distinktion VI: lâzheit (V. 15947 â 18000)
Auch die sechste Distinktion beginnt mit einem Prolog, in dem Hugo die lâzheit als letzte SĂźnde gemeinsam mit ihrer Dienerschaft vorstellt: Dieses wird dieses Mal jedoch nicht in Form von substantivierten Verben, sondern als Substantive, die vor allem die Suffixe âkeit bzw. âheit als Reimpaare fungieren, präsentiert: âmĂźezikeit, unstĂŞtikeit, versiumikeit, trâkheit und unverstandenheit, unendelikeit, trĂťri keitâ â âMĂźĂigkeit, Unbeständigkeit, Versäumnis, Trägheit und Unverständnis, Unendlichkeit und Traurigkeitâ (V. 15965 â 15970). Hierdurch wollte Hugo vermutlich hervorheben, dass die lâzheit im Vergleich zu den anderen SĂźnden nicht dynamisch, sondern statisch ist. Die Dynamik der SĂźnden hĂ´chfart, gĂŽtikeit, frâz, unkiusche, nĂŽt und zorn, wird in den Distinktionen durch die langen Aufzählungen der aneinandergereihten substantivierten Verben ausgedrĂźckt.cite-ref-29[29] Da die Trägheit auch die unverstandenheit beinhaltet (V. 15968), in der sich die Weigerung des Menschen, sich auf den Weg zur Gotteserkenntnis zu begeben, manifestiert, ist sie eine der grĂśĂten SĂźnden gegenĂźber Gott. Hugo erklärt weiter, dass die lâzheit weder dem Jenseits, noch dem Diesseits verpflichtet ist und deswegen schwer zu definieren sei. Dies verdeutlicht er in einer Anapherreihe, die auf die SĂźndenverflechtung im Prolog folgt: âSi enist weder kalt noch warm, / Si enist weder rĂŽch noch arm, / Si enist weder junc noch alt, / Si enist weder stille noch balt / Si mac wol lachen mit dem munde, / Ez gĂŞt aber niht von herzen grundeâ â âSie ist weder kalt noch warm, Sie ist weder reich noch arm, Sie ist weder jung noch alt, / Sie ist weder still noch laut / Sie kann wohl mit dem Mund lachen/ Es kommt aber nicht vom Grunde des Herzensâ (V. 15981 â 15986). Die lâzheit kann wegen ihrer âTrägheitâ nur per negationem beschrieben werden, da man ihr keine âaktiven Eigenschaftenâ zuweisen kann.cite-ref-30[30] Dennoch verlĂśren die Menschen durch sie âguot, sĂŞle, ĂŞre und lĂŽpâ â âGut, Seele, Ehre und Leibâ (V. 16032).
Im zweiten Abschnitt der sechsten Distinktion beschreibt Hugo drei Wege, die seiner Meinung nach die Menschen aus dem Ăbel des Daseins herausfĂźhren kĂśnnen: Hiernach kĂśnnte kunst der unverstandenheit , gemach des kummers arbeit und tugent der missetat entgegenwirken. Unter Kunst seien sowohl das Handwerk, als auch die sieben freien KĂźnste zu verstehen. Im Folgenden lobt Hugo zwar die Weisheit des Alters, klagt aber ebenfalls Ăźber die wachsende Missachtung von BĂźchern, Schulen und Lehrern. An diese Klage fĂźgt sich eine Klerusschelte, sowie ein Bamberg-Lob mit einem Exempel Ăźber den âWucherer im MĂśnchsgewandâ an (Vgl. V. 16903 â 17010). Später behandelt Hugo den Stellenwert, den die Gelehrsamkeit in der Dichtkunst, seiner Auffassung nach, innehat.
Obwohl Hugo auch im abschlieĂenden Teil der letzten Distinktion auf die lâzheit eingeht, liegt anders als bei den vorherigen Distinktionen kein Epilog vor.
Die âHeilslehreâ (V 18001 â 24483)
Dem umfassenden Teil der Morallehre schlieĂt sich nach der sechsten Distinktion ein deutlich kĂźrzerer Teil zur Heilslehre an. Er lässt sich grob in drei Teile und einen Epilog gliedern, deren Inhalt im Folgenden abgehandelt wird.cite-ref-31[31]
Der walt der Heiligen Schrift (V. 18001 â 19160)
In dem walt der Heiligen Schrift befasst Hugo sich zunächst mit deren pfat, um sich im nächsten Schritt mit der Gottesliebe auseinanderzusetzen. Er empfiehlt den Verzicht auf weltliche Dinge und weist auf den Wert der Gottesgaben hin (Vgl. V. 18001 â 18163). Im Folgenden geht Hugo auf noch einmal auf die drei Stände und die bestehende Ordnung in der Welt ein (Vgl. V. 18164 â 18212). Dann setzt er sich mit den Themen dienst und triuwe auseinander, lobt Gott als Beispiel der milte und den Glauben als Schutz vor dem BĂśsen, bevor er auf die Ambivalenz des pfennic, und somit noch einmal auf die Unbeständigkeit der weltlichen GĂźter eingeht (Vgl. V. 18213 â 19160).
Naturlehre (V. 19161 â 20346)
Es schlieĂt sich eine ausfĂźhrliche Naturbetrachtung an. Sie besteht aus einer Einleitung, zahlreichen Naturexempla und einem Epilog. Hugo kritisiert in diesem Abschnitt ausdrĂźcklich die Undankbarkeit und Gedankenlosigkeit der Menschen, fĂźhrt aber auch ein SchĂśpferlob an.
Hugo beginnt mit einer Beschreibung der Geburt, ehe er im Folgenden die Eigenheiten des menschlichen KĂśrpers durch einen Vergleich zwischen Mensch und Tier herausarbeitet (Vgl. V. 19161 â 19242). Im Folgenden erklärt Hugo den Lesern, dass er ursprĂźnglich beabsichtigt hat, eine Naturlehre zu schreiben, in der er die Wunder Gottes, die sich als Tiere, Pflanzen und der gesamten Natur manifestierten, schildern wollte. Da er dies nicht geschafft hat, mĂśchte er sich in diesem Abschnitt wenigstens mit den Tieren auseinandersetzen. Es folgt eine ausfĂźhrliche Beschreibung Ăźber die VierfĂźsser, während Haustiere und Tiere in Feld und Wald nur noch aufgelistet werden. Es schlieĂt sich eine Beschreibung der VĂśgel an. Anhand der Schilderungen wird klar, dass Hugo den Menschen Ăźber den Tieren sieht (Vgl. V. 19243 â 19741).
Die Naturlehre endet mit einer kurzen und unvollständigen Abhandlung ßber den Balsam.
Der Reueexkurs und die âLeiterallegorieâ(V. 20347 â 24483)
Zu Beginn des âReueâ- Teils greift Hugo noch einmal auf die Birnenallegorie des Prologs zurĂźck, ehe er im Folgenden die âLeiterallegorieâ einfĂźhrt:
Hugo beschreibt die Leiter und weist darauf hin, dass diese fest stehen mĂźsse, um nicht ins Wanken zu geraten und den Menschen, der an ihr hochklettert, zu Fall zu bringen. âLeiterboume, die mĂźezen stĂŞn/ Gar vaste, si beginnent anders wenken/ Und irn stĂŽger abe swenken, / Der noch ist vor sĂźnden kranc, / Daz er muoz vallen âne sĂŽnen danc!â â âLeiterbäume, die mĂźssen stehen/ Sonst beginnt er sehr schnell zu wanken/ Und ihren Besteiger abzuschĂźtteln, / Der noch vor SĂźnden schwach ist, / So dass er in Undankbarkeit herunterfallen mussâ (V. 20368 â 20374). Im Folgenden schildert Hugo die verschiedenen Wege, die die Menschen von den SĂźnden hin zum Seelenheil fĂźhren kĂśnnen. Die Leiter steht hierbei als Sinnbild fĂźr den Weg der ErlĂśsung.
Im nächsten Sinnabschnitt berichtet Hugo, dass die Menschen fasten, beten und Almosen geben mĂźssen, um auf die ersten drei Sprossen zu gelangen: âUnd an die ĂŞrsten sprĂźzzel trete / Mit vasten, an die andern mit gebete, / Mit almuosen an die drittenâŚâ â âUnd an die ersten Sprossen trete man mit Fasten, an die anderen mit einem Gebet, / Mit Almosen an die dritteâŚâ (V. 20379 â 20381). Auch die Nächsten â und Gottesliebe, sowie die Beichte (Vgl. V. 20619 â 20460) und ein Leben nach den Idealen der Christenheit seien auf dem Weg zur ErlĂśsung der Seele unabdingbar.
Im dritten Abschnitt erklärt Hugo, dass die Menschen zudem noch weltlichen Gßtern und Ehren entsagen mßssen, um nach ihrem Tod die ewige Seligkeit durch Gottes Barmherzigkeit erlangen zu kÜnnen, auf deren Notwendigkeit er noch einmal ausfßhrlich eingeht (Vgl. V. 21171ff).
Die âLeiterallegorieâ fungiert als Programm des âReue-Teilsâ, ist jedoch immer noch Teil der âBirnbaumallegorieâ, da sie schildert, wie es dem Menschen gelingen kann, als âBirnenâ, von den SĂźnden relativ unbeschadet, auf dem âgrĂźenen grasâ des Prologs zu landen.
Epilog (V. 24484 â 24611)
Der âRennerâ endet mit einem Epilog, der genau wie der Prolog zweiteilig aufgebaut ist.
Teil I
In seinem ersten Teil geht Hugo noch einmal auf seine Funktion und sein Selbstverständnis als Dichter ein. Zu diesem Zwecke vergleicht er die Nachtigall mit dem Esel und erläutert ihre Bedeutungen. âUns tĂ´rn bediutet diu nahtigal, / Die der werlde machent schal, / SĂ´ wir tanzen, reien, springen, / Vehten, brehten, lĂťte singen, / Uns selber mĂźen mit maniger unsinne / durch wertlich lop, ruom oder minneâ â âUnse Torheit bedeutet die Nachtigall, / Die die Welt schal machen, / So wie wir tanzen, reien, springen, / Kämpfen, lärmen, laut singen, / Uns bemĂźhen mit viel Unsinnigem, / durch weltliches Lob, Ruhm oder Minneâ (V. 19707 â 19712). Hugo betrachtet die Nachtigall als Symbol fĂźr die Torheit der Menschen, die nach weltlicher Ehre und Liebe streben. Genau wie die, in diesem Abschnitt genannten Tätigkeiten, ist fĂźr Hugo auch der Gesang der Nachtigall zwar schĂśn, aber dennoch unnĂźtz. Dass Nachtigallen nach der Paarung ihre Stimmen verlieren (V. 19703 â 19706), steht fĂźr ihn fĂźr die Abkehr der Menschen von Gott, die weltliche Ehren erlangt haben.cite-ref-32[32]
Im Folgenden wendet Hugo sich dem Esel zu: Dieser sei im Gegensatz zu der Nachtigall zwar ein einfältiges, aber ein nĂźtzliches Tier, da er als âSprachrohr Gottes die Lehre verkĂźndet, die dem Menschen zum Seelenheil verhilftâcite-ref-33[33] (V. 24494 â 24503). Hugo bringt an dieser Stelle die biblische Erzählung von dem Esel an, der von seinem Herrn Bileam bestraft wird, da er dem Engel Gottes ausgewichen ist, und dann von Gott die Gabe zu Sprechen geschenkt bekam, um diesen auf sein Unrecht aufmerksam zu machen. Auch Hugo betrachtet sich durch seine Tätigkeit des Dichtens als Instrument bzw. âSprachrohrâ Gottes. Genau wie der Esel, als der Hugo sich in seiner Funktion versteht, bestraft auch Hugo die sĂźndigen Menschen, indem er sie in Form des âRennerâ belehrt. Obwohl Hugo sich durch den Vergleich mit dem Esel als demĂźtig und einfältig beschreibt, erhebt er sich gleichzeitig zum Vermittler zwischen Gott und den Menschen.cite-ref-34[34]
Im Folgenden gibt Hugo den Leser erneut Anweisungen zur Rezeption des Werkes und weist darauf hin, dass sowohl âHonigseimâ, als auch âBienenwachsâ in seinem Werk enthalten seien. Diese Begriffe stehen metaphorisch fĂźr die Lehren der Heiligen und Heiden, aus denen die Leser, Hugos Auffassung nach, NĂźtzliches entnehmen kĂśnnen, wenn es ihnen sinnvoll erscheint (Vgl. V. 24504 â 24515). Es bleibt also dem Leser Ăźberlassen, sich die fĂźr ihn wichtigen Aspekte des umfassenden Werkes anzueignen.
An die Anweisungen zur Rezeption schlieĂt sich eine Bitte um Nachsicht mit unreinen Reimen, die in dem âRennerâ auftreten, sowie eine LektĂźreempfehlung, die Hugos wichtigste Quellen, v. a. Bernhard von Clairvauxs Schrift âDe consideratione ad Eugenium papamâ und die âMoraliaâ Gregors des GroĂen enthalten, an. In diesem Abschnitt wird klar, dass Hugo seine grĂśĂte Leistung daran sieht, lateinische und griechische Werke der Kirchenlehre den deutschen Sprachkreisen zugänglich gemacht zu haben. Deswegen sollen sie ihm gedenken und so fĂźr sein Seelenheil sorgen (Vgl. V. 24543 â 24551).
Teil II
Hugo von Trimberg. Er beschlieĂt den âRennerâ mit einer Schlussbitte und einem Zitat Freidanks (V. 24606 â 24611): âSwaz ich niht wol getihtet hân, / Tuot daz ein wĂŽser man hin dan, / Des sol man im sagen danc: / Wenne ez sprach her FrĂŽdanc: Ăf erden ist niht sĂ´ gar volkumen, / Daz ez dem wandel sĂŽ benumenâ â âWas ich nicht gut gedichtet habe, / Ergänzt das dann ein weiser Mann, / Dann soll man ihm dafĂźr danken: / Denn es sprach Herr Freidank: Auf Erden ist nichts so sehr vollkommen, / Dass es dem Wandel zu entziehen istâ Hugo ist sich den Veränderungen der Welt bewusst und billigt die Veränderung seines Werkes, wenn diese von einem Mann vorgenommen wird, der so weise ist wie Freidank.
Der Titel
Ursprung
Die Forschung nimmt an, dass der Titel âRennerâ auf Michael de Leone zurĂźckgeht. Dieser nahm den âRennerâ in sein âHausbuchâ (die WĂźrzburger Liederhandschrift) auf, das vermutlich zwischen 1348 und 1353 entstand. Offenbar erschien ihm die Gliederung, die Hugo an seinem Werk vorgenommen hatte, als ungenĂźgend, denn er teilte den âRennerâ in zweiundvierzig Kapitel ein und versah ihn mit einem Register. Im ersten Kapitel gibt er Hugos Werk seinen heute noch gebräuchlichen Titel: â[die] vor rede des selben buches Renner genant wanne ez sol rennen durch die lantâ â â[Der] Prolog desselben Buches, wird Renner genannt, denn es soll renn durch die Länderâ.cite-ref-37[37] Michael hat den Titel âRennerâ anscheinend von dem in Hugos Werk regelmäĂig vorkommenden Zweizeiler âNu sĂźl wir aber fĂźrbaz rennen/ Und unsern herren baz erkennenâ â âNun sollen wir aber weiter rennen/ Und unseren Herrn besser erkennenâ abgeleitet. Michael de Leone versteht diesen anders als Hugo, der durch ihn sein ständiges BemĂźhen ausdrĂźckt, zur Gotteserkenntnis zu erlangen, offenbar im Sinne einer Breitenwirkung.cite-ref-38[38] Der Titel âRennerâ ist nur in der Handschrift En Ăźberliefert.
Die Funktion des Refrains
Der Zweizeiler âNu sĂźl wir aber vĂźrbaz rennen/ Und unsern herren baz erkennenâ, kennzeichnet ebenso wie die Kapitel und Distinktionen inhaltliche Einschnitte des Textes. Er kehrt während des gesamten Textes periodisch wieder. Es erinnert an das Zitat âsic currite ut comprehendatisâ âso rennt, damit ihr verstehtâ,cite-ref-39[39] das aus dem Brief des Apostels Paulus an die Korinther stammt und häufig von Bernard von Clairvaux im fĂźnften Buch seines Werkes âSe consideratione ad Eugenium papamâ verwendet wird.
Der Refrain dient der Ordnung des umfangreichen Stoffes und soll den Lesern die Lektßre dadurch erleichtern. Untersucht man die Kontexte, in denen er steht, so lässt sich feststellen, dass er zu unterschiedlichen Zwecke eingesetzt wird und sich dem jeweiligen Charakter der drei Hauptteile anpasst:
1. Der Refrain markiert das Ende der Distinktionen bzw. den Ăbergang zu der nächsten Distinktion und dient auch ihrer inneren Gliederung, z. B. erste Distinktion: V. 4365 f., zweite Distinktion: V. 9430f. Am Ende der dritten Distinktion steht er in abgewandelter Form: âWie die alle von frâze/ Wurden gepĂŽnt, die rede ich lâze / Und will aber vĂźrbaz rennenâ â âWie alle von der Gefrässigkeit/ gequält worden, von denen hĂśre ich auf zu sprechen / Und will aber weiter rennenâ (Vgl. V. 11713 â 11715). Auch am Ende der vierten Distinktion liegt eine Variante des Refrains vor (Vgl. V.13963). Der Zweizeiler beschlieĂt ebenfalls den Mittelteil des âRennerâ (Vgl. V. 20345f.).
2. Der Refrain steht vor und nach der Behandlung bestimmter Gruppen und Stände bzw. Thematiken. Dies wird fĂźr den ersten Teil des âRennerâ nun kurz am Beispiel der ersten Distinktion erläutert: In der ersten Distinktion steht er als Variation nach dem Abschnitt Ăźber die Simonie und glichsenheit der geistlichen FĂźrsten (Vgl. V. 803 ff.) und vor der Abhandlung der boesen herren (Vgl. V. 855 f.). Weiterhin beschlieĂt er die Behandlung der Priester und leitet das Kapitel Ăźber die MĂśnche ein (Vgl. V. 2887 f.). Ăhnlich wie hier fĂźr die erste Distinktion geschildert, durchzieht der Refrain in seiner Originalfassung oder in Abwandlung auch die restlichen Distinktionen. Im Mittelteil steht der Refrain vor einem Abschnitt, der die Selbsterkenntnis des Menschen zum Thema hat. Die Naturallegorese wird von ihm beschlossen. Im Schlussteil unterteilt er Reflexionen, die sich mit dem Lebensalter, der Lebenszeit und der zunehmenden werre der Welt befassen.
Quellen und Quellenverarbeitung im âRennerâ
Es lässt sich feststellen, dass Hugo von Trimberg seine Quellen hauptsächlich in Form von Zitaten in den âRennerâ eingebaut hat. Das Zitieren im âRennerâ geschieht Ăźberwiegend nach dem Muster einer Autoritätsberufung. Mit seiner âZitierfreudigkeitâcite-ref-wei232-40-0[40] hebt Hugo sich deutlich von Autoren frĂźherer didaktischer Werke, wie Freidank und Thomasin, ab.
Aufbau
Die Art, nach der Hugo zitiert, unterliegt wiederkehrenden Mustern: Nach einem Verweis auf den Urheber, folgt das Zitat, auf welches Hugo Bezug nehmen mĂśchte, wie z. B. an folgender Stelle, an der er sich auf Bernhard von Clairvaux bezieht: âSant Bernhart an einer stat: / âManic sĂŞle leider wirt verlorn, / Die nieman suochet, daz ist mir zorn: / Wirt aber verlorn ein esellĂŽn, / Nâch dem loufet man Ăťz und ĂŽn.ââ â âSankt Bernhard stattdessen: / âViele Seelen werden leider verloren, / Die niemand sucht, darĂźber bin ich wĂźtend: / Wird aber eine Eselin verloren, / Nach dieser sucht man Ăźberall.ââ (V. 2544â2548). Diesem Muster folgend verweist Hugo im âRennerâ zahlreiche Male auf die Herkunft seiner verwendeten Zitate. Dennoch ist zwischen kurzen Zitate und bloĂen Namensnennungen und längeren Abschnitten von Werkauswertungen der Autoren zu unterscheiden.
Funktion
Die Verweise auf die Urheber der Zitate fungieren als Autoritätsberufungen. Im âRennerâ ist bis auf zwei Ausnahmen âjeder von ihm zitierte Autor eine positive Autoritätâ.cite-ref-41[41] Sie dienen dazu, die von Hugo gegebenen Beispiele und Thesen zu untermauern und ihnen zusätzliche Bedeutung und Autorität zu verleihen. Auf diese Weise sollen die Leser zusätzlich von der Wahrheit und âRichtigkeitâ von Hugos Aussagen Ăźberzeugt werden. Autoritatives Zitieren dient in Hugos Werk folglich als âWahrheitsbeweis didaktischer Sätzeâ.cite-ref-42[42]
Die Autoritätsberufungen, die in diesem durch kurze Zitate und Namensnennungen, zustande kommen, dienen der âargumentativen Absicherung des Gesagtenâ.cite-ref-wei232-40-1[40] Eine weitere Funktion ist Hugos Meinung nach die Vermittlung fremder Inhalte an das deutschsprachige Volk, welche durch seine Ăbersetzung erfolgt. In der Vermittlungsfunktion sieht auch Hugo selbst einen der grĂśĂten Verdienste seines Werkes (Vgl. V. 24543 â 24551). Weiterhin fungieren die Zitate in den Augen der moderneren Forschung als inhaltliche und strukturelle Elemente des Werkes.cite-ref-43[43]
Quellen
Die Zitate, die Hugo im âRennerâ anbringt, stammen u. a. von lateinischen Schriftstellern, antiken Philosophen und Prosaikern, aber auch von Kirchenvätern wie Augustinus, anonymen Autoren, sowie aus der Bibel.
Antike Quellen
Hugo bezieht sich im âRennerâ sowohl auf lateinische, als auch auf griechische Autoren. Man kann zwischen Dichtern, Prosaikern und Philosophen unterscheiden. Während die Dichter grĂśĂtenteils aus dem lateinischen Sprachraum stammen, handelt es sich bei den Philosophen und Prosaikern, die Hugo zitiert, ausschlieĂlich um Griechen. ZeitgenĂśssische Dichter der Antike werden im âRennerâ nicht zitiert.
Dichter
Zu den im âRennerâ zitierten lateinischen Dichtern, zählen Ovid, Horaz, Iuvenal, Persius, Vergil, Lucan, Dares, Statius und Claudian. Ovid nimmt hierbei eine vorrangige Stellung ein, da er viermal zitiert wird, während die anderen jeweils drei Mal zitiert werden.cite-ref-44[44] Die Wahl der zitierten Autoren entspricht den Florelegien von Hugos Zeit. Er zitiert die antiken Autoren in der Morallehre, da er sie als Sittenkritiker der menschlichen Laster betrachtet. Während er im âRennerâ nur selten Werkangaben macht, folgt eine vollständige Angabe der klassischen Autoren im Registrum.
Philosophen und Prosaiker
Zu den Philosophen und Prosaikern der Antike, die Hugo zitiert, zählen Cicero, Varro, Boethius und Sallust. Jedoch kÜnnen im Gegensatz zu den Aussprßchen der lateinischen Autoren, die Zitate der antiken Autoren nicht alle in ihren Werken nachgewiesen werden. Häufig wurden ihnen Aussprßche zugeschrieben, die von anderen Autoren stammen.cite-ref-45[45]
Kirchenväter
Im âRennerâ wird keine Autorengruppe so häufig zitiert, wie die Kirchenväter. Besonders auf Augustin und Gregorius bezieht sich Hugo mehr als zwanzig Mal. Zu den weiteren Kirchenvätern, die Hugo zitiert, zählen Hieronymus, Bernhard von Clairvaux, Ambrosius, Origines, Isidor, Gratian, Johannes Damascenus, Chrysostomos und Hugo von St. Viktor.cite-ref-46[46] Während es im âRennerâ auf der einen Seite explizite Verweise auf die Werke gibt, aus denen die angebrachten Zitate stammen, existieren auch viele unechte Zitate, die Hugo lediglich als Väterworte ausgibt.cite-ref-47[47]
Anonyme Autoren
Häufig beruft Hugo sich im âRennerâ auch auf anonyme Autoritäten. Er charakterisiert diese lediglich durch ihre Berufe oder Eigenschaften. So schreibt AussprĂźche z. B. einem wĂŽsen man oder lĂŞrer zu. Es lässt sich nachweisen, dass er sich mit den Bezeichnungen häufig auf Freidank bezieht.cite-ref-48[48] Dieses besondere Prinzip der Autoritätenberufung stammt vermutlich aus der Spruchdichtung.
Freidank
Freidank ist der Autor, auf den Hugo sich im âRennerâ am häufigsten bezieht. Hundertvierundsechzig Zitate stammen wĂśrtlich oder beinahe wĂśrtlich von Freidank. BerĂźcksichtigt man jedoch die Motive und die Sprache in Hugos Werk, werden noch mehr Parallelen, z. B. zu Freidanks âBescheidenheitâ, erkennbar.cite-ref-49[49] Hugo zieht ihn sooft heran, da er ihm als âdidactischer Dichter sehr nahe standâ.cite-ref-50[50]
Mittelalterliche Schriften
Hugo hat im âRennerâ sechs Schriften des Mittelalters angefĂźhrt: Gesta Romanorum, Vitae patrum, De semine scipturarum, Peregrinus, imago mundi und summa vitiorum et virtutum. Ihre Titel gibt Hugo in mittelhochdeutscher Ăbersetzung an, so wird die âGesta Romanorumâ beispielsweise zur Roemer tât. Dieses Vorgehen verdeutlicht, Hugos Intention, seinem Publikum auch lateinische Werke zugänglich zu machen.cite-ref-51[51]
Die Bibel
Als Hauptquelle fĂźr den âRennerâ hat Hugo die Bibel genutzt.cite-ref-52[52] Er zitiert keinen der genannten Autoren oder Schriften so häufig, wie die Heilige Schrift. Sie soll fĂźr den Menschen âdie Richtschnur eines tugendhaftes Lebenswandelsâcite-ref-53[53] sein. Hugo verarbeitet seine Hauptquelle im âRennerâ in drei verschiedenen Formen, wobei er häufiger das Alte als das Neue Testament zitiert:
1.WĂśrtliche Zitate aus biblischen BĂźchern, z. B. (V. 2835 ff.):
âDer heilige prophĂŞte Malachias/ âDer heilige Prophet Malachias/
Sprach von den priestern, als ich las: / Sprach von den Priestern, wie ich las/
Des priesters lefse sĂźln/ Die Lippen der Priester sollen/
kĂźnste walten [âŚ]â KĂźnste beschĂźtzen [âŚ]â
2. Die AusfĂźhrung biblischer Berichte, z. B. (V. 11820 ff.):
âWir lesen in der kĂźnige buochen/ âWir lesen im Buch der KĂśnige/
An dem ĂŞrsten blate, Auf dem ersten Blatt,
swer ez wil suochen/ wer es suchen will/
Daz got sibenzic fĂźrsten sluoc [âŚ]â Dass Gott siebzig FĂźrsten besiegte [âŚ]â
3.Exemplarische Nennung der Eigennamen von biblischen Figuren, z. B. (3235 â 3237):
âDem tuifel was daz ouch viel liep,/ âDem Teufel war das auch sehr angenehm,/
Daz JĂťdas was von ĂŞrste ein diep/ Dass Judas zuerst ein Dieb/
Und dar nâch ein verrĂŞter wart.â Und danach ein Verräter wurde.â
Das Registrum und Solsequium
Das Registrum und Solsequium dienen als Mittlerquellen fĂźr den âRennerâ. Während das Registrum, ein Katalog von Schulautoren, die Anfänge der Materialsammlungen bietet, kann das Solsequium als seine Quellengrundlage betrachtet werden. Die in ihm enthaltenen hundertsechsundsechszig Predigtexempel hat Hugo mehrfach in den âRennerâ eingearbeitet. Er verweist zwar auf die Ursprungsquellen der Exempel, aber nicht konkret auf das Solsequium.
Literaturlisten im âRennerâ
Hugo setzt sich im âRennerâ in drei Literaturlisten mit der deutschsprachigen Literatur seiner Zeit auseinander: In der ersten Literaturliste, die in der ersten Distinktion zu finden ist, lobt er die Dichtung von zwĂślf Sängern, kritisiert aber die Protagonisten der hĂśfischen Epik und fĂźhrt auĂerdem einen Autorenkatalog der rĂśmischen Geschichte an.cite-ref-54[54]
Die zweite Literaturliste befindet sich in der sechsten Distinktion. Sie ist durchgehend negativ besetzt. Hugo beklagt sich hierin darĂźber, dass die Menschen lieber dem Teufel als Gott dienen (Vgl. V. 16139 â 16214). Es folgt eine Aufzählung von dreizehn Personen und ihren LektĂźreempfehlungen. Sie umfasst ânahezu die gesamte weltliche Epikâ.cite-ref-55[55] In dem folgenden Beispiel, das den Aufbau dieser verdeutlicht, wird auf die Siegfried-Sage und den Tristan-Roman Bezug genommen: â[âŚ] Der vierde will Sifrides wurm, / Der fĂźnfte will hern Tristerant [âŚ]â â âDer Vierte will Siegfrieds Drachen, / Der FĂźnfte will Herrn Tristan [âŚ]â (V. 16188 f.).
In der dritten Literaturliste, die im Schlussteil des âRennerâ enthalten ist, kritisiert Hugo Schriften, in denen das weltliche Leben verherrlicht wird.cite-ref-56[56]
Fabeln
Im âRennerâ tauchen mehrere Fabeln auf. Er greift hauptsächlich auf die Tierfabeln von Ăsop, aber auch auf die Fabelsammlung des Avianus zurĂźck, die beide im Mittelalter weit verbreitet waren.cite-ref-57[57] Hugo erwähnt Ăsop namentlich an drei Stellen (V. 1933, V. 9745 und V. 7343), Avianus hingegen nur einmal (V. 15568).
Ăberlieferung
Der âRennerâ- Stoff ist in vierundsechzig Handschriften Ăźberliefert, von denen dreizehn reich bebildert sind. Die umfangreiche, teilweise jedoch nur fragmentarische Ăberlieferung deutet darauf hin, dass sich Hugos Werk im Mittelalter groĂer Beliebtheit erfreut haben muss. Vergleicht man die Zahl der erhaltenen Handschriften mit den Ăźberlieferten Zeugnissen anderer Werke, so lässt sich der âRennerâ Hugo von Trimbergs auf eine Stufe mit dem âParzivalâ Wolframs von Eschenbach (Ăźber achtzig Handschriften) und der âWeltchronikâ Rudolfs von Ems (Ăźber hundert Handschriften) stellen. Dies spricht dafĂźr, dass Hugos Werk eines der zentralen Werke des Mittelalters war.cite-ref-58[58]
Hugo von Trimberg vollendete den âRennerâ zwar um 1300, bearbeitete ihn aber bis zum Jahre 1313. Erst durch die Fassung Michael de Leones erfuhr der âRennerâ Ăźber die Grenzen Bambergs Beachtung. Zwischen 1347 und 1400 entstanden in jedem Jahrzehnt ungefähr drei Handschriften. Von 1400 bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts stieg diese Produktion aufgrund der (von Hugo Kuhn) so genannten Literaturexplosioncite-ref-59[59] zeitweise sogar auf das Dreifache.cite-ref-60[60] Erst nach 1387 entstand im Rheinfränkischen eine Version des Original âRennerâ-Stoffes von Hugo von Trimberg. Sie dominiert von da an die Leone-Version.
Die âRennerâ- Handschriften waren im deutschen Sprachraum relativ konstant verbreitet. Besonders in NĂźrnberg und Umgebung war die Rezeption aller Fassungen des Werkes verbreitet. Die nĂśrdlichste Handschrift, die der Forschung heutzutage bekannt ist, stammt aus Northeim und ist grĂśĂtenteils auf Mitteldeutsch verfasst. Der âRennerâ hat den hochdeutschen und oberdeutschen Sprachraum anscheinend nicht verlassen. Die Verbreitungsschwerpunkte lagen im ostfränkischen, rheinfränkischen und bairisch-Ăśsterreichischem Raum. Ăberregionale Bedeutung hat nur die Handschriften Ax und Ay. Sie waren von ThĂźringen und Schwaben bis ins Voralpenland verbreitet.cite-ref-61[61]
Rezeptions- und Forschungsgeschichte des âRennerâ
Zwischen 1348 und 1353 nahm Michael de Leone den âRennerâ in sein Hausbuch auf und unternahm einen ersten Gliederungsversuch.cite-ref-62[62] Den ersten Druck, der auf Hugos eigener Einteilung basiert, wurde 1549 in Frankfurt am Main von Cyriacus Jacobus in Auftrag gegeben, der den âRennerâ als Morallehre lobt. Auch im 18. Jahrhundert war das Interesse fĂźr Hugos Alterswerk noch immer nicht erloschen. Sowohl Lessing, als auch Herder beschäftigten sich mit dem Stoff und planten verschiedene Bearbeitungen des âRennerâ, die jedoch nicht durchgefĂźhrt bzw. abgeschlossen wurden.cite-ref-63[63]
Trotz des neuzeitlichen Druckes der Erlanger Handschrift vom Historischen Verein Bamberg aus dem Jahre 1833/34, schwand das Interesse am âRennerâ im 19. Jh.cite-ref-64[64] Bis ins 20. Jh. wurde Hugos Werk von zeitgenĂśssischen Germanisten stark kritisiert und in seiner Bedeutung pauschalisiert.cite-ref-65[65] Die Zusammenfassung der Dissertation Karl Janickes aus dem Jahre 1857 bot einen ersten Ăberblick Ăźber Lebensdaten Hugos und neue Erkenntnisse zur Ăberlieferungsgeschichte des âRennerâ. Julius Egon WĂślfel räumte in seinen âUntersuchungenâ letzte Zweifel an Hugos Lebensdaten aus der Welt und beschrieb auf der Grundlage von vierundvierzig Handschriften die Charakteristika des Werkes. Er unterschied erstmals zwischen dem Original Hugo von Trimbergs und der bearbeiteten Version von Michael de Leone. Auf der Basis dieser Werke erarbeitete Gustav Ehrismann u. a. ein Stemma der ihm bekannten Handschriften und Fragmente des âRennerâ. Von 1908 bis 1911 verĂśffentlichte er beim Stuttgarter Literarischen Verein vier Bände, die âden HĂśhepunkt und vorläufigen AbschluĂâ [ss] der Untersuchungen zur Ăberlieferung und Textgestalt des âRennerâcite-ref-66[66] darstellen. Nachdem durch Ehrismann eine, von der Germanistik als zuverlässig erachtete, Textausgabe vorlag, wurden Untersuchungen zur Ăberlieferung und Analysen der Handschriften grĂśĂtenteils eingestellt. 1970 ergänzte GĂźnther Schweikle Ehrismanns Ausgabe durch ein Namenverzeichnis, eine Ăbersicht der KapitelĂźberschriften, Informationen zur Ăberlieferung und eine EinfĂźhrung in die Thematik des âRennerâ.
Studien von Else Schlicht und Johannes MĂźller aus den zwanziger Jahren des 20. Jh. befassen sich mit der Art und Weise, wie Hugo Quellen, v. a. die Bibel, in den âRennerâ eingearbeitet hat. Zur gleichen Zeit erschien eine Untersuchung Ehrismanns, die sich mit der Sprache des Werkes auseinandersetzte. Fritz Vomhof betrachtete den âRennerâ 1959 erstmals als didaktisches Werk. 1982 erschien eine Studie von Lutz Rosenplenter, in der er sich um die Verifizierung der von Hugo gekennzeichneten Zitaten des âRennerâ bemĂźht und die Funktion der Autoritätenberufung herausgearbeitet hat.cite-ref-67[67]
Aus den 1990er Jahren stammt eine Monographie, die sich mit der Moral als Leitkategorie des âRennerâ befasst, sowie eine Untersuchung Ăźber die allegorischen Muster durch InĂŠs de la Cuadra, während Henrike Lähnemann mit der Heidelberger Handschrift cpg 471, einen âeinzelnen Textzeugen der âRennerâ- Ăberlieferung in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungâcite-ref-68[68] stellt. Die jĂźngste Studie stammt von Rudolf Kilian Weigand aus dem Jahre 2000, in der er sich mit der Struktur, der Quellenabhängigkeit und mit der Ăberlieferung des âRennerâ kritisch auseinandersetzt und auf diese Weise einen allgemeinen Ăberblick Ăźber das Werk gibt.cite-ref-69[69]
Problematik der Werk- und Gattungsbestimmung
Seit Beginn der Auseinandersetzung mit dem âRennerâ bemĂźht sich die Literaturwissenschaft, Hugo von Trimbergs Werk einer bestimmten Gattungskategorie zuzuordnen, um dessen inhaltliche Vielfalt erfassen zu kĂśnnen. Neben der Betrachtung als Predigt, die vor allem im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts vertreten wurde, wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch neue Gattungstheorien geäuĂert. Während viele den âRennerâ weiterhin als BuĂpredigt wahrnahmen und Hugo eine Predigerrolle zuwiesen, betrachteten andere es als enzyklopädisches Werk.cite-ref-70[70] Schweikle bezeichnete Hugos Werk im Hinblick auf seinen vielfältigen Charakter hingegen als âSittenlehreâ, die zu einem âenzyklopädischen Haus- und Realienbuchâcite-ref-71[71] werde. Die Schwierigkeit der Einordnung des âRennerâ in eine bestimmte Gattung hängt, InĂŠs de la Cuadra zufolge, sowohl mit der groĂen Anzahl verschiedener Textsorten und der Komplexität des Textes, als auch damit zusammen, dass im Mittelalter keine Terminologie zur VerfĂźgung gestanden habe, die sich mit heutigen Kategoriebegriffen decke. Heutzutage wird Hugos Werk als âGattungsgemischâ bezeichnet, da es viele Gattungsmerkmale in sich vereint. De la Cuadra stellt einen metaphorischen Vergleich zwischen Hugos Werk und einer Bibliothek auf: Genau wie die BĂźcher einer Bibliothek, herrsche auch im âRennerâ eine bestimmte Systematik und der Leser wäre in der Lage die âRubrikâ aus Hugos Werk zu wählen, die er gerade benĂśtigt. Genau, wie man in einer Bibliothek das Buch auswählt, das man braucht, um etwas aus ihm zu erfahren.
Betrachtung des âRennerâ als nachhĂśfische Lehrdichtung nach den Untersuchungen von Fritz Vomhof
Anders als andere Literaturwissenschaftler beurteilt Fritz Vomhof den âRennerâ Hugo von Trimbergs nicht als Predigt oder Sittenlehre, sondern untersucht ihn im Hinblick auf seine didaktischen Aspekte. In seiner im Jahre 1959 verĂśffentlichten Dissertationsschrift setzt Vomhof sich mit dem âRennerâ als nachhĂśfischer Lehrdichtung auseinander. Er weist zunächst auf die zahlreichen Schwierigkeiten hin, mit denen man sich zwangsläufig konfrontiert sieht, wenn man sich mit mittelalterlicher Didaktik auseinandersetzt. Zum einen existierten nur drei mhd. Lehrdichtungen, die Vomhofs Auffassung nach, âzulänglich kritisch bearbeitetâcite-ref-72[72] worden sind: Dies seien âDer Winsbekeâ, Freidanks âBescheidenheitâ und schlieĂlich der âRennerâ Hugo von Trimbergs (âWälscher Gastâ von Thomasin von Zerclaere klammert Vomhof aus, da er in der Textkritik und Kommentierung weit Ăźberholt sei). Zum anderen gäbe es kaum kritischen Ausgaben fĂźr die mittelhochdeutsche und mittellateinische Didaktik und zum anderen. Eine weitere Schwierigkeit sei in den Werken selbst festzumachen, da den Menschen heutzutage (1959) der âZugang zum Verständnis der mittelalterlichen Didaktik [âŚ] weithin verschlossenâcite-ref-73[73] sei. 1959 war der Forschungsstand ein weiteres Problem, da das handschriftliche Material, welches zur mittellateinischen Didaktik existierte, Vomhof zufolge nur mit Ausnahmen ausgewertet und kritisch beurteilt worden ist.
Um mittelalterliche Didaktik verstehen zu kĂśnnen, mĂźsse man sich der Voraussetzungen und Bedingungen bewusst werden, aus denen diese entstand: Vomhof zufolge kam es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu einem Umbruch der herrschenden Mächte, was eine kulturelle und soziale Umschichtung zur Folge hatte: Die Dichter der nachhĂśfischen Zeit sahen es nun, so Vomhof, als ihre Aufgabe an, entweder die Menschen durch ihre Werke zu unterhalten oder aber, ihnen durch diese den Weg aus dem irdischen âJammertalâ zu Gott und somit zum Seelenheil zu offenbaren. Um diese Aufgabe zu erfĂźllen und sich Ăźberhaupt in der BevĂślkerung GehĂśr zu verschaffen, habe eine Dichtung entstehen mĂźssen, die sich deutlich von der Dichtung der hĂśfischen Hochkultur abhob: Aus diesem BedĂźrfnis heraus entwickelte sich, Vomhofs Meinung nach, die Lehrdichtung, die sich vor allem auf die christliche Lehre in Form der Bibel berufe. Die Heilige Schrift stellte fĂźr die Menschen einen Fixpunkt dar, nach dem man sich richten konnte, da er die Zeiten Ăźberdauerte und selbst in Zeiten des Umbruchs seine GĂźltigkeit behielt.
Vomhof weist darauf hin, dass die Lehrhaftigkeit der Dichtung kein Phänomen der nachhĂśfischen Dichtung ist, da eine ânichtlehrhafte Dichtung im Mittelalter gar nicht mĂśglich istâ.cite-ref-74[74] Zu erfreuen sei nur neben dem Nutzen, âprodesse et delectareâ, die Aufgabe der mittelalterlichen Dichtung. Erste lehrhafte Elemente seien bereits in dem althochdeutschen Evangelienbuch Otfrids, sowie im âHeliandâ zu entdecken, da es sich bei ihnen um geistliche Epen handele, die ihre Leser belehren sollen. Auch in den hĂśfischen Epen von Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, sowie Gottfried von StraĂburg sind Vomhof zufolge bereits Lehren enthalten gewesen: Diese seien jedoch in den meisten Fällen deutlich von der eigentlichen Erzählung abgegrenzt und bezĂśgen sich meistens auf das Idealbild eines Ritters. Die Belehrungen in den hĂśfischen Epen sollten keinen Einfluss auf die Leser, sondern vielmehr auf die Taten der literarischen Figuren haben. Die belehrenden Abschnitte hatten somit eher die Funktion, die Handlungen der Protagonisten zu begrĂźnden oder impulsähnlich anzuregen. Die Wirkung auf den Leser fand somit nur indirekt statt. Ziel der hĂśfischen Romane war also nicht die didaktische Erziehung der Leser, sondern die Propaganda der hĂśfischen Ideale. Erste Ăbergänge von Epik zur Lehrdichtung finden sich in âDer Winsbekeâ, sowie in âTirol und Fridebrantâ.cite-ref-75[75] Das Lehrgedicht âDer Winsbekeâ gilt auĂerdem als âerste voll ausgebildete didaktische Dichtungâ,cite-ref-76[76] obwohl es, Vomhofs Meinung nach, ideologisch noch aus hĂśfischen Dichtung stammt.
Ehrismann definiert die Didaktik in Abgrenzung zum Epos wie folgt: âDer Inhalt der Epik ist Leben, der der Didaktik Denken Ăźber das Leben [âŚ].âcite-ref-77[77] Weiterhin wĂźrde die Epik sich mit einem einzigen konkreten Beispiel befassen, wohingegen die Didaktik aus derartigen Beispielen allgemeine Aussagen filtern wĂźrde. Vomhof findet diese Beschreibung jedoch nicht ausreichend und zieht noch eine Definition des Didaktik-Begriffs von Thiel heran, der besagt, dass Didaktik die Aufgabe hat, die Welt- und Lebensanschauung, sowie die Ideale der Zeit widerzuspiegeln: âDie Aufgabe der Didaktik ist es, auf das Wesentliche zusammengedrängt, der jeweiligen Welt und Lebensanschauung und den Idealen der Zeit Ausdruck zu geben. Sie ist ein Spiegelbild der Zeit und ihrer geistigen bzw. geistlichen Bestrebungenâ.cite-ref-78[78] Beim Versuch, die Absichten mittelalterlicher Didaktik zu ergrĂźnden, mĂźsse man von den Aussagen der einzelnen Werke auf allgemeine Aussagen schlieĂen, die uns die Didaktik verständlicher machen.cite-ref-79[79] Der Didaktik am nächsten stĂźnde die hĂśfische Lyrik, insbesondere in Form der Sangspruchdichtung, da in dieser häufig Kritik an den herrschen gesellschaftlichen und kulturellen Umständen genommen wird. Trotzdem sei die Belehrung auch nicht das Hauptziel der hĂśfischen Lyrik. Eine Mischung aus hĂśfischer Lyrik und der Didaktik bilde die âBescheidenheitâ Freidanks, die ârichtigeâ Urteilsfähigkeit vermitteln will. Die lehrhaften Elemente werden hierin beispielsweise durch die Kritik deutlich, die am Rittertum geäuĂert wird.
Auch der âRennerâ Hugo von Trimbergs enthält kritische Betrachtungen, durch die sich das Werk u. a. als Lehrdichtung verstehen lässt.
Die Literaturkritik im âRennerâ
Ein Aspekt, den Hugo im âRennerâ kritisch beurteilt ist die Tätigkeit der Dichter. Vomhof zufolge orientierte er sich hierbei an Gottfried von StraĂburgs âTristanâ und Rudolf von Emsâ âAlexanderâ, in denen ebenfalls eine Literaturkritik enthalten ist.cite-ref-80[80] Hugo behauptet hierin, die SĂźnden Geiz und Unkeuschheit seien daran schuld, dass die Ritter vergessen haben, wie gut die frĂźheren Dichter ihre Tätigkeit zu verrichten wussten.
Als Beispiel fĂźr einen Dichter, der es noch gut zu dichten verstand, nennt er Konrad von WĂźrzburg:âMeister Counrât ist an worten schoene,/ diu er gar verre hât gewehselt/ und von latĂŽn alsĂ´ gedrehselt/ das lĂźtzel leien si vernement:/ an tiutschen buochen diu niht zementâŚâ â âMeister Konrad hat viele schĂśne Worte, / die er sehr weit geändert hat/ und von Latein so bearbeitet wurde/ das wenig Laien sie vernehmen: / fĂźr deutsche BĂźcher geziemt sich das nichtâ (V. 1202ff.). Hugo nutzt diese Kritik, um zu erklären, welches Ziel er mit seiner eigenen Dichtung verfolgt, nämlich so zu dichten, dass alle Leser aller Stände sein Werk verstehen. Weiterhin verurteilt er Werke der hĂśfischen Epik, die seiner Meinung nach, nicht die Wahrheit schildern: âVil manigen [buoch] sint aber baz bekannt/ hie und Ăźber manic lant/ diu buoch, diu ich vor hân genant:/ Parcifâl und Tristrant, / Wigolais und EnĂŞas, / Ărec, Ăwan [âŚ] Doch sint diu buoch gar lĂźgen volâ â âSehr viele [BĂźcher] sind aber besser bekannt/ hier und in vielen anderen Ländern/ die BĂźcher, die ich vorher genannt habe: / Parzival und Tristan, / Wigolais und Ăneas, / Erec, Iwein [âŚ]â (V. 21637ff.). Hugo erhebt hiermit den Anspruch, seine Dichtung sei vollständig wahr. Im Gegensatz zu der Kritik an der hĂśfischen Epik, steht das Lob, mit dem Hugo die hĂśfischen Lyriker, u. a. Heinrich von Morungen, Walther von der Vogelweide, auszeichnet (Vgl. V. 1236 ff.). Der Grund fĂźr diese Preisung der hĂśfischen Lyrik liegt in ihrer Nähe der zur Didaktik begrĂźndet, die bereits geschildert wurde.cite-ref-81[81]
Der Marner wird von Hugo besonders hervorgehoben, da er seine Werke sowohl auf Latein, als auch auf Deutsch verfasste. Wer beide Sprachen beherrscht und es versteht, in ihnen zu predigen und zu dichten, ist Hugos Meinung nach ein glĂźckseliger Mann: âOuch wizzet er ist ein sĂŞlic man,/ der tiutsch und latĂŽn eben kann/ [âŚ] mit sĂźezem mundeâ â âWisset auch derjenige ist ein seliger Mann, / der Deutsch und Latein gleich gut kann/ [âŚ] mit sĂźĂem Mundâ (V. 22371). Hugo lobt auch Dichter der Antike, z. B.: Augustinus, Ăsop, Plinius, Ovid und Vergil, (Vgl. V. 14669) und obwohl diese als âHeidenâ nicht die christliche Lehre kennen und somit auch nicht ihre Ideale vertreten, verweist Hugo im âRennerâ häufig auf sie als Autoritäten der Sittenlehre. Dass Hugo nicht gegen Nicht-Christen bzw. âHeidenâ einzuwenden hat, bezeugt folgendes Zitat: âJuden lĂŞre und wĂŽser heiden/ hânt uns dinge vil bescheiden,/ diu gar nĂźtze und guot uns sintâŚâ â âDie Lehre von Juden und weiser Heiden/ haben uns viele Dinge gelehrt, / die uns nĂźtzen und uns gut sindâ (V. 8447).
Fritz Vomhof zufolge hat die Literaturkritik im âRennerâ nur den Zweck, hervorzuheben, wozu Hugos eigene Dichtung in Abgrenzung zu den Werken anderer Dichter dient: âDa die Literaturkritik Hugos von Trimberg allein zur Verdeutlichung seiner eigenen Dichtung dient, verbinden sich mit ihr eng die Gedanken des Dichters Ăźber die Aufgabe seiner Dichtungâ.cite-ref-82[82] Eine gute Dichtung hat nach Hugo wie folgt auszusehen: Sie muss im Dienste Gottes stehen, rechtschaffen und einfältig sein. Weiterhin soll sie lehren, wie der Mensch sein Leben fĂźhren muss, um Gott zu gefallen (Vgl. V. 17697 â 17666). Die Grundlage, sowie das Ziel von guter Dichtung mĂźsse die Bibel sein (Vgl. V. 20301). Da Prediger und Lehrer Deutsch und Latein beherrschten und nicht hochmĂźtig seien, kämen sie dem idealen Bild des Dichters am nächsten (Vgl. V. 22371). Dichtung mĂźsse ihren Lesern eigene Vergänglichkeit und die GrĂśĂe Gottes aufzeigen (Vgl. V. 17967).
Hugo erklärt weiter, dass die Sprache von Gott gegeben sei und es deswegen auch Gottes Wille sei, dass man durch sie allen Menschen die gĂśttliche Lehre und den Weg ins Himmelreich näherbringt und SĂźnder auf den rechten Weg zurĂźcklenkt: âGotes lop sĂźl wir gemĂŞren mit worten und sĂźnder bekĂŞren, fride machen, predigen, beten, der sĂŞle unkrĂťt mit worten Ăťz jetenâ â âGottes Lob sollen wir vergrĂśĂern mit Worten und SĂźnder bekehren, Frieden machen, predigen, beten, das Unkraut mit Worten ausjätenâ(V. 22231) Es wird deutlich, dass das Hauptziel von Hugos Dichtung die Verbreitung der Lehren der Bibel ist. Hugo ist sich ebenfalls darĂźber im Klaren, dass seine Dichtung nur von Wert sein kann, wenn sie in der BevĂślkerung auf Resonanz stĂśĂt. Hugo verurteilt die Abkehr der Menschen von der Dichtung als âRichtschnur ihres Lebensâcite-ref-83[83] : (Vgl. V. 5809 ff.). Durch Dichtung irdische GĂźter wie Reichtum oder Macht erlangen zu wollen, ist fĂźr Hugo ein geradezu verwerfliches Ziel: âIrdisch guot und irdisch ĂŞre/ will der heiligen schrift lĂŞre/ sĂ´ gar vertiligen und vernihtenâŚâ â âIrdisches Gut und irdische Ehre/ will die Lehre der Heiligen Schrift/ ganz und gar vertilgen und vernichtenâŚâ (V. 2005 ff.). Doch Hugo erkennt, dass gerade diese Dichtung in seiner Zeit den meisten Zuspruch der Menschen findet (Vgl. V. 1991 ff.).
Obwohl Hugo eine klare Vorstellung von âguterâ Dichtung hat, präsentiert er den âRennerâ nicht als Paradigma fĂźr diese, sondern als ein Werk mit Schwächen. Er weist stets auf sein eigenes UnvermĂśgen hin (Vgl. V. 15919 ff.) Die Schwierigkeit, die ihm der Umfang des Werkes gemacht hat, verdeutlicht er mit dem Bild des Reiters, dem hin und wieder sein Pferd durchgeht. Hugo ist sich der Schwächen seines Werkes bewusst und betont, dass Kritik an der Form, aber nicht am Inhalt des âRennerâ, angebracht sei. Dies wird z. B. an folgender Stelle deutlich: âNieman sol sprechen daz ich flicke/ mĂŽn getihte, ob ich ez verzwicke/ und mit der heiligen schrift bewĂŞreâŚâ â âNiemand soll sagen, dass ich flicke/ mein gedicht, wenn ich es verbessere/ und mit der Heiligen Schrift gewähreâ (V. 20291 ff.). Hugo ist sich weiterhin darĂźber im Klaren, dass die SĂźnden auch durch Dichtungen wie den âRennerâ nie vollständig ausgelĂśscht werden: âSwie vil wir tihten, lesen, schrĂŽben,/ die gĂŽtikeit wir doch niht vertrĂŽbenâ â âWie viel wir auch dichten, lesen, schreiben, / die Habgier vertreiben wir doch nichtâ (V. 7651 f.).
Die Zeit- und Gesellschaftskritik im âRennerâ
Die Zeit- und Gesellschaftskritik, die im âRennerâ enthalten ist, ist ein weiteres Element der Didaktik. Nach Vomhof weiĂ der Didaktiker: âdaĂ er nur durch ständige Kritik an seiner Umwelt seine Absichten verwirklichen kann, nämlich seinen Mitmenschen einen besseren Weg zu zeigenâ.cite-ref-84[84] Es ist zu beachten, dass Bewertungen der Gegenwart stets subjektiv geprägt sind. Dies ist auch im âRennerâ der Fall: Schreibt Hugo Ăźber Ereignisse seiner Zeit, so bewertet auch er sie von einem subjektiven Standpunkt aus. Ein Beispiel hierfĂźr ist Hugos Aussage zu der Eroberung Akkons, der âletzten Bastion der Christenheit im Heiligen Landâ,cite-ref-85[85] durch die Mohammedaner am 18. Mai 1291. Er weist die Schuld an der Niederlage den SĂźnden der Christen zu, die dort leben (Vgl. V. 15890) und ruft in diesem Zusammenhang die Christen dazu auf, sich wieder Gott zuzuwenden, da die SĂźnden das Christentum ansonsten zerstĂśren wĂźrden: âhĂ´chfart, unkiusche und gĂŽtikeit zerstoerent noch die kristenheitâ â âHochmut, UnzĂźchtigkeit und Habgier zerstĂśren noch die Christenheitâ (V. 15893 f.).
ĂuĂerungen Ăźber konkrete geschichtliche Ereignisse wie die Eroberung Akkons oder beispielsweise den Ăberfall auf den päpstlichen Konvoi 1297 treten im âRennerâ jedoch seltener auf, als beispielsweise Stellungnahmen Ăźber die sozialen Verhältnisse. Der Grund hierfĂźr ist Hugos Ziel, durch Belehrung in seiner Dichtung gesellschaftlichen Entwicklungen entgegenzuwirken, die er als schlecht empfindet. Er ist sich darĂźber bewusst, dass er in einer Ăbergangszeit von der hĂśfischen zur âbĂźrgerlichenâ Zeit lebt und bringt dies auch im âRennerâ zum Ausdruck: âDĂ´ ich von ĂŞrste ze Babenberc/ kam, dĂ´ vant ich milter liute/ vil mĂŞre dâ denne ich vinde hiute [âŚ]â â âAls ich als erstes nach Bamberg kam, da fand ich freundlichere Leute/ viel mehr, als ich sie heute vorfindeâ (V. 21454 ff.).
Die grĂśĂte Gefahr, die er in diesem Umbruch sieht, ist der Versuch, die von Gott gegebene ständische Ordnung aufzuheben: âSwer wider sĂŽnen orden strebet/ und niht nâch gotes willen lebet,/ wizzet der ist ein endekristâ â âWer wider seinen Orden handelt/ und nicht nach Gottes Willen lebt, / wisset der ist ein Antichristâ (V. 4495 ff.). Dennoch seien Priester, Ritter und Bauern (Vgl. V. 505 ff.) vor Gott alle gleich, alle von den SĂźnden bedroht und sollten in Frieden miteinander leben. Hugo unterzieht die drei Stände im âRennerâ einer umfassenden gesellschaftskritischen Untersuchung, sowie es nach MĂźller fĂźr mittelalterliche Dichtungen typisch ist.cite-ref-86[86]
Kritik an der Geistlichkeit und der Säkularisierung im âRennerâ
Hugo beklagt die Lasterhaftigkeit der Pfaffen und MĂśnche, die sich z. B. in Form von Habgier, Simonie und Unkeuschheit äuĂere und kritisiert sogar den Papst: Dieser sei zwar der Hirte der gläubigen Christen, wolle diese aber aus habgierigen Motiven scheren: âGot gap sant PĂŞter sĂŽnen segen/ und hiez in sĂŽner schâfe pflegen,/ er hiez in niht schâfe beschern:/ nu schernt die pfaffen alle gernâŚâ â âGott gab Sankt Petrus seinen Segen/ und wies ihn an seine Schafe zu pflegen, / er wies ihn nicht an, die Schafe zu scheren: / Nun scheren die Priester alle gernâ (V. 9010 ff.). Von âvorreformatorischen Gedankenâcite-ref-87[87] kann im âRennerâ jedoch keine Rede sein, da Hugo sich stets als âtreuer Sohnâ der Kirche bezeichnet. Dass er sich nicht gegen diese aufzulehnen gedenkt, wird auch daran deutlich, dass er den Stand der Geistlichkeit als âKind Gottesâ bezeichnet und sagt, dass man den Verwirrungen der Welt nur durch den MĂśnchsstand entkommen kĂśnnte (Vgl. V. 18012 ff.).
Weiterhin klagt Hugo Ăźber die zunehmende Säkularisierung. Ihm ist jedoch klar, dass die wenigen verbliebenen Christen diese nicht mehr abwenden kĂśnnen (Vgl. V. 23243 ff.). Grund hierfĂźr sei die starke Bindung der Menschen ans Diesseits. Deshalb ruft Hugo im âRennerâ zur Verachtung des Irdischen auf, da der Mensch sich stets seiner Vergänglichkeit bewusst sein mĂźsse, um sich von den Ketten des irdischen Lebens zu befreien. Weiterhin mĂźssen Menschen eine dreifache Geburt durchleben: Zuerst die Geburt aus dem Mutterleib, zweitens die âGeburtâ durch Taufe und drittens die Geburt durch den Tod, die einen zurĂźck zu Gott fĂźhrt.cite-ref-88[88] (Vgl. V. 24085 ff.)
Das Ziel, welches Hugo mit seiner Kritik an der Geistlichkeit verfolgt ist, dass die Menschen ihre SĂźnden ablegen, um wieder Gott zu dienen. Da er glaubt, dass nur die Geistlichkeit den AnstoĂ zu einer RĂźckbesinnung auf Gott und der christlichen Ideale geben kĂśnne, geht er mit diesem Stand besonders hart ins Gericht.
Kritik am Rittertum
In der nachhĂśfischen Didaktik wurden die Ideale der hĂśfischen Zeit verstärkt kritisiert, da sich in der nachhĂśfischen Zeit zum einen ein neues Bewusstsein entwickelt hatte und man zum anderen die hĂśfische Kultur fĂźr ihre Stagnation verachtete. Der Niedergang der hĂśfischen Kultur ist nach Hugos Meinung vor allem am sich parallel vollziehenden Niedergang des Rittertums festzumachen: Der vormals edel gesinnte Stand der Ritter, werde nun von Lastern beherrscht. Hugo fragt sich, wo das tugendhafte Rittertum von damals geblieben ist (Vgl. V. 15180 ff.). Mit der Schilderung Ăźber das unsittliche Verhalten der Ritter bedient Hugo von Trimberg sich einem Lehrprinzip, das Fritz Vomhof ânegative[r] Unterweisungâcite-ref-89[89] nennt. Dieses Prinzip belehrt durch die Präsentation abschreckender Beispiele, indem sie aufzeigt, wie man sich mĂśglichst nicht verhalten sollte. Durch die GegenĂźberstellung von Geistlichkeit und Rittertum stellt Hugo auĂerdem heraus, dass nur das Klosterleben, nicht aber das Leben als Ritter zum Seelenheil fĂźhren kann. Er hält beispielsweise Turniere fĂźr wertlos und Teufelswerk (Vgl. V. 11589.).
Allgemeine Zeitklagen
Weiterhin kritisiert Hugo im âRennerâ die Kaufleute. Die Kaufleute sind ein neuer Stand, der in Deutschland im 13. Jahrhundert entstand. Obwohl die Kaufleute, sich zur Zeit der Verfassung des Renners also bereits als neuer Stand etabliert haben, kommt er in Hugos Aufzählung der Stände nicht vor (Vgl. V. 2213 ff.). Hugo betrachtet die Kaufleute folglich nicht als Stand. Dies ist nicht ungewĂśhnlich, da auch andere Dichter, z. B. Freidank, so mit ihnen verfahren. Wenn Hugo sie erwähnt, äuĂert er sich meist negativ Ăźber sie (Vgl. V. 6199 f.). Der Grund hierfĂźr dĂźrfte in der ablehnenden Haltung begrĂźndet sein, mit der die Kirche den Kaufleuten begegnet, da sie in der Tätigkeit des Handelns eine Gefahr fĂźrs Seelenheil der Menschen sah und diese dem asketischen Ideal widersprach. Hugo klagt ebenfalls Ăźber die Laster, die in der Welt immer vorherrschender werden und allmählich die Tugenden ablĂśsen, so wird z. B. âtriuweâ zu âuntriuweâ usw. Ursache hierfĂźr sei die Ăbermacht der gĂŽtikeit, die Hugos Auffassung nach das Hauptlaster der Zeit ist (Vgl. V. 21435 ff.).
Allgemein lässt sich sagen, dass Hugo die Gegenwart im âRennerâ meist negativ schildert, während er die Vergangenheit lobt. Dies ist ein gängiges Mittel der didaktischen Belehrungsdichtung.
PersĂśnliche Klagen
Altersklage
Hugo klagt im âRennerâ häufig Ăźber sein Alter und nutzt diese Altersklage wiederum fĂźr belehrende Zwecke: Bereits im Prolog erwähnt er ein Ohrensausen, unter dem er bereits seit seinem fĂźnfzigsten Lebensjahr leidet. Hugos Meinung nach, ist das Kopfsausen ein Zeichen fĂźr die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens (Vgl. V. 9 ff.). Er meint weiter, die Beschwerden, die den Menschen im Alter befallen, seien Signale Gottes, die den Menschen an seinen baldigen Tod erinnern und ihn zur Besinnung und BuĂe aufrufen sollen: âSwenne er gedenket hin und her/ wie gesunt, wie junc, wie stark er wĂŞr/ und ouch merkende wirt dâ bĂŽ/ wie alt, wie kalt, wie krank er sĂŽ:/ sĂ´ sĂślte er Ăťf gein himel trahtenâ â âWenn er hin und her denkt/ wie gesund, wie jung, wie stark er war/ und auch dabei merken wird/ wie alt, wie kalt, wie krank er ist: / so sollte er Ăźber den Himmel nachdenkenâ (V. 23027 ff.).
Armuts- und Bildungsklage
Hugo erklärt im âRennerâ, dass er als rector scolarum an der Bamberger Stiftsschule St. Gangolf (Bamberg) tätig war. Als solcher wurde er vom scholasticus der Schule eingesetzt und war finanziell von ihm abhängig. Obwohl wenig Ăźber die Verhältnisse der Scholasterie in St. Gangolf im 13. Jahrhundert bekannt ist, lässt sich aus Zeugnissen anderer Scholaster entnehmen, dass der Lohn fĂźr einen rector scolarum niedrig ausfiel. Es ist daher zu vermuten, dass auch Hugo in seiner Berufslaufbahn als Lehrer, die nach seinen Angaben, etwa 40 bis 50 Jahre umfasste, mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert wurde (Vgl. V. 24.560 ff.).
Hugo von Trimberg nimmt in diesem Zuge auch Stellung zu den Bildungsverhältnissen seiner Zeit und bewertet sie auf der Grundlage seiner langen Berufserfahrung. Hierbei bemängelt er vor allem die frĂźhen Abgänge der SchĂźler von den Stiftsschulen. Diese hängen mit den GrĂźndungen der Stadtschulen und den Universitäten zusammen. Wegen des Ăbergangs zum Schrifttum wurden Stadtschulen gegrĂźndet, in denen sowohl Latein, als auch Deutsch gelehrt wurden. Während in Bamberg die grammatisch-rhetorische Lehre im Zentrum stand, wurden in den Universitäten auch die neuen Fächer Medizin, Theologie und Jurisprudenz angeboten. Die SchĂźler bevorzugten entweder ein solches Universitätsstudium oder besuchten die Ăśrtlichen Stadtschulen. Darunter litten Stiftsschulen wie St. Gangolf und die LĂśhne von den dort beschäftigten Lehrern, wie Hugo von Trimberg, die auf die Schulgelder angewiesen waren. Hugos Armutsklage hängt also direkt mit den Bildungsverhältnissen seiner Zeit zusammen. Existenziell bedrohlich ist ihm zufolge auch das Unverständnis, mit welchem die Menschen seinen Werken begegnen.
Und weiterhin beschwert er sich Ăźber die mangelnde Lernfreude der ihm verbliebenen SchĂźler: âSwer hundert schuoler hât gelĂŞrt, / wirt der under in von siben geĂŞrtââ âWer hundert SchĂźler unterrichtet hat, / wird dieser unter ihnen von sieben geehrtâ (V. 17563 f.).
Das Wissen, das im âRennerâ vermittelt wird, basiert auf den â7 freien KĂźnstenâ, durch die man Hugo zufolge zu Gott gelangen kann (Vgl. V. 16075 ff.).
Fazit Ăźber die didaktische Intention Hugo von Trimbergs im âRennerâ
Hugo von Trimberg will durch seine Klagen und kritischen ĂuĂerungen das âfalschenâ Tun der Menschen aufdecken und sie dadurch zum ârichtigenâ Tun zurĂźckfĂźhren. Um den Menschen zu zeigen, wie man sich ârichtigâ verhält, stellt Hugo eine Tugendlehre auf, die ihren Ausdruck vor allem in seiner ausfĂźhrlichen Präsentation der Laster und SĂźnden findet. Deswegen sind auch die sieben HauptsĂźnden die Strukturierungsmittel des gesamten Werkes. Er bedient sich hauptsächlich einem Lehrprinzip, das Fritz Vomhof als ânegative Unterweisungâ bezeichnet, um die Menschen zu Gott zurĂźckzufĂźhren. So, wie es fĂźr ein Lehrwerk des Mittelalters typisch ist, ist es sowohl didaktisch, als auch theologisch geprägt. Die Bibel ist zu Hugos Zeiten das Zentrum der schulischen und religiĂśsen Bildung. Nicht umsonst ist die Heilige Schrift die Hauptquelle von Hugos Alterswerk.
Quellen (Auswahl)
⢠Der Renner. Nßrnberg 1347, Universitätsbibliothek Erlangen-Nßrnberg, UER MS.B 4 (Digitalisat).
⢠Der Renner mit Von der Jugend und dem Alter; Johannisminne; Neumondkalender 1385-1399. Kurpfalz (?) 1378, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 366 (Digitalisat).
⢠Der Renner âTafel der christlichen Weisheitâ. NĂźrnberg 1425-1431, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 471 (Digitalisat).
⢠Der Renner- Sßdtirol, 1468, Fondation Martin Bodmer Cologny, Cod. Bodmer 91 (Digitalisat).
⢠Der Renner. Sßddeutschland 3. Viertel 15. Jh., Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 98 (Digitalisat).
⢠Der Renner â Ein schĂśn und nĂźtzlich Buch. Franckfurt a. M. 1549, Bayerische Staatsbibliothek MĂźnchen, 2 P.o.germ. 29 m#Beibd.1 (Digitalisat).
⢠Der Renner. (Fragment, 1 Blatt), 14. Jh., Germanisches Nationalmuseum Nßrnberg, Hs 22025 (Digitalisat)
⢠Der Renner. (Fragment, 1½ Blatt), 14. Jh., Universität Freiburg, Hs. 528 (Digitalisat)
⢠Sammelhandschrift (Fol. 1bâ151b, Anfang und Ende fragmentiert) 1426, Ăsterreichische Nationalbibliothek Wien, Cod. 3086.
Thematisch verwandt
⢠[HUGO VON TRIMBERG] Tirol 1411-1413, Universitäts- und Landesbibliothek Tirol, Innsbruck, Cod. 900 (Digitalisat).
Literatur
Textausgaben
⢠Der âRennerâ von Hugo von Trimberg. Band 1â4, hrsg. von Gustav Ehrismann. Mit einem Nachwort und Ergänzungen von GĂźnther Schweikle (Nachdr. D. Ausg. TĂźbingen 1908â1911) (Deutsche Neudrucke. Texte des Mittelalters), Berlin 1970, ISBN 1-145-10692-7.
⢠PDF-Versionen im Internet Archive: Band 1-2, Band 3, Band 4
⢠Online-Version von Henrike Lähnemann auf der Grundlage des Textes von Ehrismann (ohne Apparat)
⢠Gregorius Magnus, Moralia in Iob, Band 1 â 3, hg. Von Marcus Adriaen (Corpus Christianorum Series Latina CXLIII), Turnholti 1979â1985, ISBN 978-2-503-01431-9.
⢠Peter Keyser: Michael de Leone (gest. 1355) und seine literarische Sammlung (VerÜffentlichungen der Gesellschaft fßr Fränkische Geschichte Reihe IX, Darstellungen aus der Fränkischen Geschichte 21), Wßrzburg 1966, ISBN 3-7686-9182-9.
Forschungsliteratur
Monographien
⢠InĂŠs de la Cuadra: Der âRennerâ Hugos von Trimberg: allegorische Denkformen und literarische Traditionen, Hildesheim 1999, ISBN 3-487-10940-9.
⢠Klaus Dßwel: Werkbezeichnungen der mittelhochdeutschen Erzählliteratur, GÜttingen 1983, ISBN 3-525-20548-1.
⢠Henrike Lähnemann: âDer Rennerâ des Johannes Vorster â Untersuchung und Edition des cpg 471, TĂźbingen 1998, ISBN 3-7720-2030-5.
⢠Lutz Rosenplenter: Zitat und Autoritätsberufung im Renner Hugos von Trimberg. Ein Beitrag zur Bildung des Laien im Spätmittelalter, Europäische Hochschulschriften: Reihe 1, Dt. Sprache und Literatur; 457, Frankfurt am Main; Bern 1982, ISBN 3-8204-6237-6.
⢠Rudolf Kilian Weigand: Der âRennerâ des Hugo von Trimberg. Ăberlieferung, Quellenabhängigkeit und Struktur einer spätmittelalterlichen Lehrdichtung. Wissensliteratur im Mittelalter. Schriften des Sonderforschungsbereichs 226 Wurzburg/Eichstätt, Band 35, Wiesbaden 2000, ISBN 3-89500-202-X.
Zeitschriftenartikel
⢠Henning Brinkmann: Der Prolog im Mittelalter als literarische Erscheinung. Bau und Aussage. In: WW 14 (1964), S. 1â21.
⢠Janicke: Ăber Hugo von Trimbergs Leben und Schriften. in: Germania 2, 1857.
⢠Albert Leitzmann: Freidankzitate im Renner, in: PBB 45 (1921).
Sammelbände
⢠Gustav Ehrismann: Geschichte der deutschen Literatur bis zum Ausgang des Mittelalters, 3 Bd., MĂźnchen 1922â1935.
⢠Hans Robert Jauss: Theorie der Gattungen und der Literatur des Mittelalters, in: Alterität und Modernität der mittelalterlichen Literatur. Gesammelte Aufsätze 1956â1976, MĂźnchen 1977, ISBN 3-7705-1487-4.
⢠K. F. MĂźller: âDie literarische Kritik in der mittelhochdeutschen Dichtung und ihr Wesenâ, DF 26, Frankfurt am Main 1933.
⢠Nigel F. Palmer: Kapitel und Buch. Zu den Gliederungsprinzipien mittelalterlicher Bßcher, in: Frßhmittelalterliche Studien 23, 1989, ISBN 978-3-11-024221-8 (E-Book).
⢠Bernhard Schemmel: Hugo von Trimberg, in: Fränkische Lebensbilder, hg. Von Gerhard Pfeiffer (VerĂśffentlichungen der Gesellschaft fĂźr Fränkische Geschichte Reihe VIIA, Fränkische Lebensbilder 4), WĂźrzburg 1971, ISBN 3-7686-9157-8, S. 1â26.
Lexikonartikel
⢠Ludwig HÜdl, Fritz Hoffmann: Distinktion. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 3. Artemis & Winkler, Mßnchen/Zßrich 1986, ISBN 3-7608-8903-4, Sp. 1127 f.
⢠Gßnther Schweikle: Hugo von Trimberg, in: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 4, 1983, ISBN 3-11-008838-X.
Dissertationen
⢠Leo Behrendt: The Ethical Teaching of Hugo of Trimberg. (Diss.) Washington 1926.
⢠Else Schlicht: Das lehrhafte Gleichnis im Renner des Hugo von Trimberg. (Diss.) Giessen 1928.
⢠Helga Thiel: Des Teufels Netz â Beobachtungen zur spätmittelalterlichen geistlichen Didaktik. (Diss.) MĂźnchen 1953.
⢠Fritz Vomhof: Der âRennerâ Hugos von Trimberg. Beiträge zum Verständnis der nachhĂśfischen deutschen Didaktik. (Diss.) KĂśln 1959.
⢠Egon Julius WÜlfel: Untersuchungen ßber Hugo von Trimberg und seinen Renner. (Diss.) Leipzig 1884, ISBN 1-141-11703-7.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Die maĂgebliche Renner-Ausgabe ist die von Gustav Ehrismann, die von GĂźnther Schweikle 1970 nur um einige Angaben in dem Kommentarband ergänzt wurde.
cite-note-22. â Weigand, Rudolf Kilian: Der âRennerâ des Hugo von Trimberg. Ăberlieferung, Quellenabhängigkeit und Struktur einer spätmittelalterlichen Lehrdichtung. Wissensliteratur im Mittelalter. Schriften des Sonderforschungsbereichs 226 WĂźrzburg/Eichstätt, Band 35, Wiesbaden 2000, S. 26.
cite-note-33. â Weigand, S. 346 ff.
cite-note-44. â Palmer, Nigel F.: Kapitel und Buch. Zu den Gliederungsprinzipien mittelalterlicher BĂźcher, in: FrĂźhmittelalterliche Studien 23, 1989, S. 67 ff.
cite-note-55. â Vgl. Cuadra, InĂŠs de la: Der âRennerâ Hugos von Trimberg: allegorische Denkformen und literarische Traditionen, Hildesheim 1999, S. 122.
cite-note-66. â Vgl. Weigand.
cite-note-77. â Vgl. Henning Brinkmann: Der Prolog im Mittelalter als literarische Erscheinung. Bau und Aussage. In: WW 14 (1964), S. 1â21. Alle Zitate aus dem âRennerâ entstammen dieser Ausgabe.
cite-note-88. â Vgl. Weigand, S. 289 f.
cite-note-weis-99. â Weigand, S. 26.
cite-note-1010. â Vgl. Weigand, S. 291 f.
cite-note-1111. â Vgl. Weigand, S. 291.
cite-note-1212. â Cuadra, S. 292.
cite-note-1313. â Vgl. Weigand, S. 295.
cite-note-1414. â Vgl. Cuadra, S. 45.
cite-note-1515. â Ludwig HĂśdl, Fritz Hoffmann: Distinktion. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 3. Artemis & Winkler, MĂźnchen/ZĂźrich 1986, ISBN 3-7608-8903-4, Sp. 1127 f.
cite-note-1616. â Palmer, S. 60â88.
cite-note-1717. â Cuadra, S. 119 f.
cite-note-1818. â Ebd, S. 92.
cite-note-1919. â Dies geschieht nur fragmentarisch, da der groĂe Umfang des Werkes eine detaillierte Schilderung an dieser Stelle nicht zulässt. Aussparungen und Zusammenfassungen sind daher unvermeidbar. Eine Ăbersicht Ăźber den Inhalt des âRennerâ ist bei Weigand zu finden.
cite-note-2020. â Es ist anzumerken, dass in dieser Aufzählung der Neid fehlt und auch die Reihenfolge der SĂźnden nicht mit ihrer Abfolge im âRennerâ Ăźbereinstimmt.
cite-note-2121. â Vgl. Cuadra, S. 142.
cite-note-2222. â Vgl. Cuadra, S. 144.
cite-note-2323. â Evtl. mit Trik-Trak identisch. Vgl. Weigand, S. 369.
cite-note-2424. â Cuadra, S. 144 f.
cite-note-2525. â Cuadra, S. 145 f.
cite-note-2626. â Cuadra, S. 80.
cite-note-2727. â Vgl. Cuadra, S. 147.
cite-note-2828. â Vgl. Cuadra S. 148.
cite-note-2929. â Vgl. Cuadra, S. 82.
cite-note-3030. â Vgl. Cuadra S. 83.
cite-note-3131. â Vgl. Weigand, S. 374.
cite-note-3232. â Vgl. Cuadra, S. 152 f.
cite-note-3333. â Vgl. Cuadra, S. 153.
cite-note-3434. â Vgl. Cuadra, S. 151 f.
cite-note-3535. â Cuadra, S. 155.
cite-note-3636. â Bei dem âSamenerâ handelt es sich um ein weiteres Werk Hugos. Da Hugo fĂźnf BĂśgen dieses Werkes verloren hat, konnte er es nicht vollenden. Den erhaltenen Inhalt hat er in den Versen 24606 â 24611 des âRennerâ integriert.
cite-note-3737. â Keyser, Peter, Michael de Leone (gest. 1355) und seine literarische Sammlung, WĂźrzburg 1966, S. 136.
cite-note-3838. â Vgl. Cuadra, S. 4.
cite-note-3939. â I Cor 9,24.
cite-note-wei232-4040. â Weigand, S. 232.
cite-note-4141. â Vgl. Rosenplenter, Lutz: Zitat und Autoritätsberufung im Renner Hugos von Trimberg. Ein Beitrag zur Bildung des Laien im Spätmittelalter, Europäische Hochschulschriften: Reihe 1, Dt. Sprache und Literatur; 457, Frankfurt am Main; Bern, 1982, S. 26.
cite-note-4242. â Vgl. Cuadra, S. 130.
cite-note-4343. â Vgl. Lähnemann, S. 111.
cite-note-4444. â Vgl. Rosenplenter, S. 127 f.
cite-note-4545. â Vgl. Rosenplenter, S. 134.
cite-note-4646. â Vgl. Cuadra, S. 290.
cite-note-4747. â Vgl. Cuadra, S. 307 f.
cite-note-4848. â Vgl. Cuadra, S. 353.
cite-note-4949. â Albert Leitzmann: Freidankzitate im Renner, in: PBB 45 (1921), S. 116 ff.
cite-note-5050. â WĂślfel, Egon Julius: Untersuchungen Ăźber Hugo von Trimberg und seinen Renner. (Diss.)Leipzig 1884, S. 18.
cite-note-5151. â Vgl. Cuadra, S. 325.
cite-note-5252. â Vgl. Schlicht, Else: Das lehrhafte Gleichnis im Renner des Hugo von Trimberg, (Diss.)Giessen 1928, S. 11.
cite-note-5353. â Weigand, S. 33.
cite-note-5454. â Vgl. Weigand, S. 251 f.
cite-note-5555. â Vgl. Cuadra, S. 253.
cite-note-5656. â Vgl. Cuadra, S. 253 ff.
cite-note-5757. â Vgl. Schlicht, S. 15 f.
cite-note-5858. â Eine Auflistung der im âRennerâ verwendeten Fabeln des Ăsop und Avianus ist in Else Schlichts Dissertation âDas lehrhafte Gleichnis im Renner des Hugo von Trimbergâ aus dem Jahre 1928 zu finden.
cite-note-6060. â Vgl. Weigand, S. 151.
cite-note-6161. â Vgl. Cuadra, S. 152.
cite-note-6262. â Vgl. Cuadra, S. 3.
cite-note-6363. â Vgl. Weigand, S. 5.
cite-note-6464. â Sie enthält u. a. ein Verzeichnis, das in knapper Form, dreiunddreiĂig Handschriften des âRennerâ beschreibt.
cite-note-6565. â Vgl. Cuadra, S. 19.
cite-note-6666. â Weigand, S. 7.
cite-note-6767. â Vgl. Weigand, S. 8 ff.
cite-note-6868. â Vgl. Cuadra, S. 17.
cite-note-6969. â Vgl. Cuadra, S. 39.
cite-note-7070. â Vgl. Cuadra, S. 269.
cite-note-7171. â Schweikle, GĂźnther: Hugo von Trimberg, in: VL 4, 1983², Sp. 273.
cite-note-7272. â Vomhof, Fritz: Der âRennerâ Hugos von Trimberg. Beiträge zum Verständnis der nachhĂśfischen deutschen Didaktik (Diss.), KĂśln 1959, S. 4.
cite-note-7373. â Vomhof, S. 4 f.
cite-note-7474. â Vgl. Cuadra, S. 15.
cite-note-7575. â Vgl. Cuadra, S. 17.
cite-note-7676. â Vgl. Cuadra, S. 17.
cite-note-7777. â Ehrismann, Gustav: Geschichte der deutschen Literatur bis zum Ausgang des Mittelalters, 3 Bd., MĂźnchen 1922â1935, S. 2.
cite-note-7878. â Thiel, Helga: Des Teufels Netz â Beobachtungen zur spätmittelalterlichen geistlichen Didaktik. Diss. MĂźnchen 1953, S. 169.
cite-note-7979. â Vgl. Vomhof, S. 14.
cite-note-8080. â Vgl. Cuadra, S. 20.
cite-note-8181. â Vgl. V. 1243.
cite-note-8282. â Vomhof, S. 25.
cite-note-8383. â Vgl. Cuadra, S. 27.
cite-note-8484. â Vomhof, S. 34.
cite-note-8585. â Vgl. Cuadra, S. 221.
cite-note-8686. â Vgl. KF MĂźller: âDie literarische Kritik in der mittelhochdeutschen Dichtung und ihr Wesenâ, DF 26, 1933, S. 97.
cite-note-8787. â Vomhof, S. 39.
cite-note-8888. â Vgl. Cuadra, S. 138.
cite-note-8989. â Vomhof, S. 43.
Weblinks
Commons
: Der Renner
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Hugo von Trimberg: Der Renner
â Quellen und Volltexte
⢠Rudolf Kilian Weigand: Hugo von Trimberg: Der Renner. In: Historisches Lexikon Bayerns